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Psychologie Therapeutin Birgit Spieshöfer macht große Unterschiede bei der Konfliktlösung zwischen den Geschlechtern aus

„Als Erwachsene sind wir verantwortlich“

Verden.Wenn es in Partnerschaften zu Aggression, Schlägen und anderer Gewalt kommt, spielen oft Erfahrungen aus der Kindheit eine Rolle. Das erklärt die Psychologin Birgit Spieshöfer im Interview.

Frau Spieshöfer, Es gibt immer wieder Prozesse, in denen es um den Mord an der eigenen Ehefrau geht, seltener am Mann. Sind die Täter häufig krank?

Birgit Spieshöfer: Mit dem Wort Krankheit ist es eine schwierige Sache. Für mich ist es so, dass in jedem Menschen eine Geschichte steckt. In Männern wie Frauen. Menschen tragen viele Erlebnisse und Erfahrungen mit sich, oft aus der Kindheit. Das hat uns geprägt, und die gilt es zu ergründen und – für die Betroffenen – sich bewusst zu machen. Ich möchte richtig verstanden werden: Es geht nicht darum, damit irgendeine Tat zu entschuldigen. Sondern Verhalten zu erklären.

Als Erwachsene sind wir verantwortlich für alles, was wir tun. Da fallen mir in meiner Praxis zwei Dinge auf: Männer und Frauen ticken in ihrem Innern oft unterschiedlich. Und häufig entwickelt sich die Spirale von Aggression und Gewalt in einer Beziehung über längere Zeit. Am Anfang ist es nur eine Unbeherrschtheit in Konfliktsituationen, und schleichend wird es mehr.

Welche Unterschiede meinen Sie denn genau, die bei Gewalt in der Partnerschaft eine Rolle spielen kann?

Spieshöfer: Männern fällt es schwerer als Frauen, ihr Innenleben wahrzunehmen. Das ist zum Teil so angelegt, aber auch erlernt. Sie suchen die Ursache und Schuld für Probleme und Krisen weniger in sich, in eigenen Schwächen und Erlebnissen, sondern in etwas Äußerem. Und so etwas Äußeres ist dann zum Beispiel ihre Frau. Sie hat dann aus Sicht des Mannes etwas gesagt oder getan, was ihn wütend macht oder irgendein schwieriges Gefühl auslöst. Das Problem ist dann nicht seine Wut, sein Gefühl, sondern die Frau, die ja schuld daran ist, dass er diese Gefühle hat.

Und wie sieht das bei Frauen aus?

Spieshöfer: Frauen dagegen erleben in Konflikten und Krisen eher ihre innere Gefühlswelt, sie fühlen sich nicht wert genug, haben das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben, und suchen deshalb bei sich nach dem Problem. Sie setzen dann einem Mann, selbst wenn er aggressiv wird, nicht früh genug eine Grenze. Denn um eine Grenze zu setzen, muss ich mich richtig fühlen. Auch das entschuldigt nichts, ich beschreibe einen Prozess, den ich häufig sehe. Auf eine Art passen wir also hervorragend zusammen. Aber es ist für beide Seiten, na, sagen wir unbefriedigend.

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