Welt und Wissen

Studie zu Kinderessen in Restaurants

„Angebot ist eine Zumutung“

Sven Schneider, Professor für Gesundheitswissenschaften in Mannheim, ist Autor einer Studie über die Qualität von Kindergerichten in Restaurants. Die Ergebnisse haben sogar den Experten erschreckt.

Herr Professor Schneider, was essen Ihre eigenen Kinder, wenn Sie ins Restaurant gehen?

Sven Schneider: Das war eigentlich der Anlass der Studie. Denn ich ärgere mich immer, wenn in Restaurants für Erwachsene ganz hervorragende Dinge auf der Karte stehen und für meine beiden Kinder dann doch nur Pommes.

Laut Studie sind 81 Prozent der Gerichte ungesund. Hat Sie das überrascht?

Schneider: Ja, total. Ich dachte, dass zumindest teurere Restaurants oder Hotels ein besseres Angebot haben. Oder dass in Norddeutschland häufiger Fisch auf der Karte steht. Aber das ist nicht so. Gesunde Gerichte sind überall die Ausnahme.

Würden Ihre Kinder Vollkornpfannkuchen mit Gemüse essen?

Schneider: Ja, durchaus. Auch meine Kinder essen ab und zu Pommes und Chicken-Nuggets, aber sie sind neugierig und experimentierfreudig. Und nicht nur sie. Es gibt mehrere Studien, die zeigen, dass vor allem Kinder über fünf Jahren offen sind, Neues auszuprobieren.

Wie erklären Sie, dass so ungesundes Essen angeboten wird?

Schneider: Zum einen denken viele Gastronomen, dass Kinder ohnehin nichts anderes wollen. Aber ich glaube, man muss diesen Teufelskreis aufbrechen. Wo es kein gutes Angebot gibt, kann keine gute Wahl stattfinden. Zum anderen sind tiefgekühlte Chicken-Nuggets oder Pommes frites lange haltbar, man hält durch das Frittieren die Hygienestandards ein und sie sind billig. Wenn man auf Gewinnspanne aus ist, ist das das Rentabelste. Wir als Wissenschaftler kümmern uns aber um die Kinder. Und für sie ist es eine Zumutung.

Sie monieren, dass Kindergerichte in deutschen Restaurants noch ungesünder sind als in der US-Systemgastronomie, also bei McDonald’s und Co. Ist das nicht übertrieben?

Schneider: Das ist tatsächlich so. Denn in der US-Systemgastronomie kann man Kindergerichte auch mit Wasser, Apfelschnitzen und einem kleinen Salat bestellen. Das fließt bei amerikanischen Studien in die grundsätzliche Bewertung des Angebotes mit ein.

Das Interview wurde telefonisch geführt und dem Gesprächspartner vor der Veröffentlichung vorgelegt.

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