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Auch eine Frage der Generationen

Archivartikel

„Nun wächst zusammen, was zusammengehört“, hieß es bei der deutschen Wiedervereinigung. Doch es gibt weiter Ost-West-Unterschiede – nicht nur bei den Lebensverhältnissen. Mit den Jahren sind sie aber kleiner geworden, wie mehrere gestern veröffentlichte Statistikauswertungen ergeben haben. Ein Überblick.

Armut

Wer im Osten lebt, ist statistisch stärker von Armut bedroht als Menschen im Westen. Das geht aus Daten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder hervor. So waren im vergangenen Jahr in den Ost-Ländern einschließlich Berlins 17,8 Prozent der Menschen armutsgefährdet – in Westdeutschland waren es 15,3 Prozent. Binnen eines Jahres sank der Anteil im Osten um 0,6 Prozentpunkte, im Westen stieg er um 0,3 Punkte. Zehn Jahre vorher waren im Osten noch 19,5 Prozent der Menschen von Armut bedroht – im Westen nur 12,9 Prozent.

Konsum

Was kostet der Alltag? Die durchschnittlichen Konsumausgaben der privaten Haushalte betrugen im Osten im Jahr 2016 mit 2078 Euro rund 80 Prozent des Westniveaus in Höhe von 2587 Euro, wie das Statistische Bundesamt berichtete. Dennoch ist das Konsumverhalten nahezu identisch: Für die Grundbedürfnisse wie Wohnen, Essen und Bekleidung verwendeten die privaten Haushalte durchschnittlich etwa die Hälfte ihrer gesamten Konsumausgaben, nämlich 53,6 Prozent im Westen und 53,3 Prozent im Osten.

Familie und Arbeit

Während im Bundesdurchschnitt in jeder fünften Familie Kinder von einem Elternteil aufgezogen werden, liegt der Anteil Alleinerziehender im Osten bei fast einem Viertel aller Familien (24,9 Prozent) und im Westen bei etwa einem Sechstel (17,5 Prozent). Die anteilig wenigsten Alleinerziehenden gab es in Baden-Württemberg (15,3 Prozent) und Bayern (16,2 Prozent), die meisten in Berlin (27,6 Prozent) und Sachsen-Anhalt (25,6 Prozent). Ob alleinerziehend oder nicht – wer schnell wieder in den Beruf zurückkehren will, findet im Osten mehr Betreuungsangebote für Kleinkinder. Während die Betreuungsquote für diese Altersgruppe im früheren Bundesgebiet bei 28,8 Prozent lag, betrug sie in den neuen Ländern und Berlin 51,3 Prozent. Bei der Betreuungsquote der Kinder im Kindergartenalter gab es dagegen kaum regionale Unterschiede: Sie lag im Westen bei 93 Prozent, im Osten einschließlich Berlins bei 94,8 Prozent.

Mentalität und Migration

Ost-West-Unterschiede sind auch eine Generationenfrage. „Ältere Menschen in Ostdeutschland, deren Leben noch in der DDR erfolgte, unterscheiden sich demgegenüber stärker von Gleichaltrigen im Westen“, sagt der Leiter des Forschungsprojekts, Helmut Rainer. Vor allem beim Blick auf Menschen mit Migrationshintergrund gibt es Rainer zufolge größere Unterschiede. So ist Ostdeutschen ein Aussiedler, Italiener, Türke oder Asylbewerber als Nachbar deutlich weniger lieb als den Westdeutschen. „Auch das Vertrauen in demokratische Institutionen ist im Osten geringer ausgeprägt“, sagte der Ko-Autor der Studie, Joachim Ragnitz. dpa