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Sicherheit Menschenhandel und überkommene Bräuche machen den Subkontinent zu einem gefährlichen Land für seine Einwohnerinnen

Aufbegehren gegen Traditionen der Herrschaft

Indien gilt als das gefährlichste Land für Frauen. In Dezember 2011 schockierten die bestialische Massenvergewaltigung und der Mord an der Studentin Jyoti Singh in einem Bus in der Hauptstadt Neu-Delhi ganz Indien. Das Verbrechen löste wochenlange Proteste im ganzen Land aus und stieß eine Debatte über die Sicherheit von Frauen in Indien an, die bis heute anhält.

In einer Umfrage der Thomson Reuters Stiftung zur Sicherheit von Frauen landete das südasiatische Land mit seinen 1,2 Milliarden Einwohnern auf dem letzten Platz. Grund dafür seien unter anderem die weit verbreitete sexuelle Gewalt, überkommene kulturelle Bräuche und Frauenhandel.

Indien schneidet neben der Sicherheit von Frauen auch schlecht bei der Gesundheit ab. Nur für 21 Prozent aller schwangeren Frauen gibt es eine Geburtsvorsorge – auf dem Land sind es sogar nur 17 Prozent. Indien hat die weltweit höchste Zahl von Frauen mit Eisenmangel. Schuld daran ist Mangelernährung. Auf dem Land ist es immer noch üblich, dass Frauen und Mädchen erst dann essen, wenn die männlichen Familienmitglieder versorgt sind.

Die kulturelle Vorliebe für Söhne ist ungebrochen. Frauen sind in der zutiefst patriarchalischen indischen Gesellschaft immer noch Bürger zweiter Klasse.

Doch in den bevorstehenden Parlamentswahlen sind es ausgerechnet drei Frauen, die die lange sicher geglaubte Wiederwahl von Indiens Premierminister Narendra Modi gefährden könnten: die viermalige Ministerin des Bundesstaates Uttar Pradesh, Kumari Mayawati; zudem Mamata Banerjee, die seit 2011 Premierministerin des Bundesstaates West Bengalen ist; und die neue politische Hoffnung der alten Kongresspartei, Priyanka Gandhi, Mitglied der Nehru-Gandhi-Familie, die Indien die meiste Zeit seit der Unabhängigkeit im Jahr 1947 politisch dominiert hat.

„Die Opposition hat sehr viel mächtigere, weibliche Führungsfiguren als die Regierungspartei“, meint Yashwant Sinha, ein ehemaliger Finanzminister und politischer Beobachter. „Die Opposition sollte daher in der Lage sein, die Wähler für sich zu überzeugen, besonders die Wählerinnen“.