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Ausnahme vor dem Ende

Wann auch immer die Briten am Ende die EU verlassen, sie täten gut daran, vorher noch einmal nachzurechnen. Denn das steht fest: Eine Mitgliedschaft in der Union zum Dumpingpreis wie bisher werden sie nicht mehr bekommen.

Am Tag des Brexits endet eine Ausnahmeregelung, die in der Geschichte der EU einmalig ist: der Briten-Rabatt. Eine Aufstellung der Europäischen Kommission, die dieser Zeitung vorliegt, zeigt, um welche Dimensionen es dabei geht: Seit dem Jahr 1985, als die Sonderregelung in Kraft trat, bis zum Jahr 2017 hat dieser Rabatt dem britischen Steuerzahler sage und schreibe 128,091 Milliarden Euro erspart. Das entspricht ungefähr dem Haushalt der EU für ein Jahr.

Legendärer Auftritt

Die Regel sieht vor, dass London zunächst seinen Anteil am europäischen Haushalt zu zahlen hat. Das waren beispielsweise für das Jahr 2016 rund 12,75 Milliarden Euro plus 3,3 Milliarden Euro aus Mehrwertsteuer-Einnahmen der EU. Über Subventionen und Beihilfen flossen 7,05 Milliarden Euro an Hilfen direkt in das Vereinigte Königreich. 66 Prozent des Nettobetrags ergaben die Rabattsumme 5,87 Milliarden Euro, die wieder zurückfloss.

Die Geschichte dieses Rabatts beginnt 1973, als Großbritannien EU-Mitglied wurde. Bereits ein Jahr später wollte London wieder aus der EU aussteigen, Bundeskanzler Helmut Schmidt verhinderte das. Aber fortan nervte die britische Premierministerin Margret Thatcher ihre Amtskollegen, bis es 1984 zum legendären Auftritt mit ihrer Handtasche kam, die sie heftig auf ihr Pult schlug und dabei rief: ,,Ich will mein Geld zurück.“ Alle Versuche, dieses System abzustellen, scheiterten bisher. ds