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Balsam für gebeutelte SPD-Seele

Der politische Aschermittwoch ist Balsam für die geschundene SPD-Seele. So blicken die meisten der rund 700 Gäste im Ludwigsburger Forum zufrieden auf die Redner, die ihnen erklären, warum es richtig ist, beim Mitgliederentscheid über eine neue große Koalition mit der CDU mit „Ja“ zu stimmen. Nur vereinzelt werden die „No-Groko“-Schilder hochgehalten.

Eines davon hat Irene Poschmann vom SPD-Kreisverband Esslingen in der Hand. Ihre Argumente gegen ein neues Bündnis mit der CDU kommen wie aus der Pistole geschossen. Vor allem sei der Koalitionsvertrag nicht gut. „Ich glaube, dass wir noch eine Mehrheit bekommen können“, hofft sie auf möglichst viele „Nein“-Stimmen. Lars Klingbeil, 39 Jahre alt und seit Anfang Dezember 2017 Generalsekretär des Bundes-SPD, sieht das ganz anders. „Wir haben einen Koalitionsvertrag, in dem 70 bis 80 Prozent SPD drinsteht“, sagt er. Deswegen werbe er auch dafür, in die große Koalition zu gehen. Die Alternativen wären alle schlechter. Zum Beispiel Neuwahl. „Ich glaube nicht, dass wir dann 51 Prozent bekommen werden, um dann hundert Prozent SPD-Inhalte durchsetzen zu können.“

SPD-Südwest-Chefin Leni Breymaier hat mit einer emotionalen Rede für die große Koalition geworben. „Es wird kein ,Weiter so’ geben. Wir müssen halt laut und deutlich sagen, wo die Unterschiede zwischen CDU und SPD sind“, so die Bundestagsabgeordnete. Für sie ist zudem eine Minderheitsregierung wegen der „rechtskonservativen Mehrheit“ von CDU/CSU, FDP und AfD im Bundestag keine Option. „Wo soll denn da die Mehrheit für unsere Themen herkommen?“, fragt Breymaier. Für einige Jusos ist das nicht überzeugend. „Ich finde die GroKo-Werbung hier lächerlich“, kritisiert Aisha Fahir von den Jusos Karlsruhe-Land.

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