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Vermögensverwaltung Für den 1988 gegründeten US-Dienstleister ist Deutschland ein äußerst wichtiger Markt – ein Großteil des Geldes dort wird zur Altersvorsorge verwendet

Blackrock – mächtig, einflussreich und umstritten

Archivartikel

Friedrich Merz vertritt in Deutschland den US-Finanzdienstleister Blackrock. Die Firma ist Großaktionär bei Konzernen und berät auch die Europäische Zentralbank und die Bankenaufsicht. Kritiker halten das für bedenklich.

Martin Lück ist in Frankfurt ein gefragter Gesprächspartner, wenn es um die Lage an den Finanzmärkten geht. Kein Wunder: Er ist Chefanlagestratege von Blackrock für Deutschland, die Schweiz und Österreich. Er kennt sich aus, schließlich arbeitet er für den weltgrößten Vermögensverwalter. Und der mischt bei allen 30 börsennotierten Unternehmen mit, deren Aktien im Deutschen Aktienindex Dax gelistet sind.

Und das mit teilweise gewichtigen Anteilen: Sieben Prozent sind es bei Bayer, 5,8 Prozent bei Siemens, womit Blackrock dort jeweils größter Einzelaktionär ist. Bei SAP kommt der US-Konzern auf 5,9 Prozent, bei der Deutschen Bank und Daimler auf fünf Prozent, bei der BASF auf 6,6 Prozent und bei HeidelbergCement auf 4,5 Prozent.

Insgesamt dürfte Blackrock mit einem hohen zweistelligen Milliardenbetrag bei deutschen Unternehmen engagiert sein. Das sichert Einfluss – auch Friedrich Merz, der seit 2016 den Aufsichtsratschef der deutschen Sparte von Blackrock leitet. Und weshalb Merz, sollte er zum CDU-Vorsitzenden gewählt werden, diesen Posten nicht wird behalten können. Das ist für ihn klar.

Büros in Frankfurt und München

Für Blackrock dürfte ein solcher Strippenzieher schwer zu ersetzen sein. Auch wenn Vertreter des Unternehmens sich immer wieder Mühe geben, den Einfluss von Blackrock herunterzuspielen. Man agiere als Fondsgesellschaft ja nur für seine Kunden, fungiere als Treuhänder und lege kein eigenes Geld an.

Formal mag das so sein: Versicherungen, Pensionskassen, Unternehmen, Staatsfonds, Banken, auch Kirchen vertrauen auf die Dienste von Blackrock. Der größte Teil des Geldes diene der Altersvorsorge, heißt es. Deutschland sei ein extrem wichtiger Markt, der durch die Büros in Frankfurt und München von rund 150 Beschäftigten betreut wird.

5,7 Billionen Euro

Die Summe von 6,4 Billionen Dollar – umgerechnet etwa 5,7 Billionen Euro – verwalten die US-Amerikaner für Kunden aus rund 100 Ländern. Dazu gehören auch Privatanleger. Die haben ihr Geld in ETFs – passiv gehandelte kostengünstige Fonds (Exchange Traded Funds) – der Tochtergesellschaft iShares angelegt. Diese Fonds setzen etwa auf die Entwicklung des Dax oder des Weltaktienindex MSCI. Damit ist Blackrock weltweit indirekt an Tausenden von Unternehmen beteiligt.

Das Geschäft lohnt sich. Allein im dritten Quartal hat Blackrock, deren Aktien selbst an der Börse notiert sind, 1,4 Milliarden Dollar verdient. Bei Blackrock bestreitet man den erheblichen Einfluss nicht. Aber man agiere nicht im eigenen Interesse, sondern im Interesse der Kunden, die für die Geldanlage klare Vorgaben machten. „Wir machen das aktiv, aber nicht aktivistisch“, sagt ein Blackrock-Manager.

Vertreter des Vermögensverwalters sprechen nicht auf Hauptversammlungen, sie sitzen nicht in Aufsichtsräten. Sie machen ihre Positionen in direkten Gesprächen mit Vorstand und Aufsichtsrat der Unternehmen deutlich.

Viele Firmen in Deutschland seien gut geführt, sagt Blackrock-Chef Larry Fink. Bei anderen müsse man klarer auf die Bedeutung einer langfristigen Strategie hinweisen. Generell, heißt es in Frankfurt, gehe es um langfristiges Denken und nicht um kurzfristige Konzepte. Schließlich wollten die Kunden, dass ihr Geld langfristig gewinnbringend angelegt werde. Insofern, heißt es bei Blackrock, nehme man Einfluss, „aber mehr im Hintergrund“.

Kontakte zu Staatschefs

Verwundern muss freilich, dass Blackrock auch auf einem anderen Feld mitspielt – bei Beratungsmandaten für die Europäische Zentralbank (EZB) etwa während der Griechenlandkrise im Jahr 2012. Auch bei der Durchführung des jüngsten Stresstests der Bankenaufseher in Europa ist Blackrock beteiligt.

Das Mandat habe eine Sparte des Vermögensverwalters im Rahmen einer normalen Ausschreibung erhalten, heißt es in Notenbankkreisen. Fragwürdig bleibt es trotzdem: Schließlich ist Blackrock dadurch etwa an der Prüfung der Deutschen Bank beteiligt, bei der der Vermögensverwalter selbst zu den größten Aktionären gehört. Kritiker halten Blackrock zudem vor, den Wettbewerb zu torpedieren, die Altersvorsorge bewusst zum eigenen Vorteil zu privatisieren, sehr eng mit Behörden zusammenzuarbeiten und damit auch Einfluss auf die Regulierung der Finanzbranche zu nehmen. Das machen Kritiker auch daran fest, dass Fink beste Kontakte zu vielen Staatschefs pflege.

Enge Verbindungen

Merz selbst weist Kritik an Blackrock zurück. Das Unternehmen sei keine Private Equity Firma – und damit keine Heuschrecke –, also keine der Kapitalbeteiligungsgesellschaften, die oft angeschlagene Firmen kaufen, sanieren, massiv Arbeitsplätze streichen und mit hohem Gewinn weiterverkaufen, sondern ein Vermögensverwalter, der das Geld der Kunden treuhänderisch verwalte.

Selbst wenn Merz Vorsitzender der CDU werden sollte und damit bei Blackrock ausscheidet, dürften beide Seiten in Verbindung bleiben. Der politische Einfluss von Blackrock dürfte erheblich – und umstritten – bleiben. Aber Martin Lück wird gleichwohl ein gefragter und kompetenter Gesprächspartner an der Börse bleiben.

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