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Blumen statt Gütertrasse

Archivartikel

New York.Die Spur führt heute ins Nichts, aber das war nicht immer so. Mitte der 1930er Jahre wurde im Südwesten Manhattans eine Hochbahntrasse gebaut, damit Güterzüge ihre Ware direkt in die oberen Stockwerke der dort ansässigen Fabriken und Lagerhäuser liefern konnten.

Die Trasse ist rund 2,5 Kilometer lang, meist gerade mit einer großen Kurve im Nordteil – und einem einzigen kurzen Seitenabstecher etwa auf Höhe des Empire State Buildings: «The Spur». Gebaut wurde der Abstecher, der heute ins Nichts führt, damit Güterzüge Briefe und Pakete in das einst angrenzende Verteilerzentrum der US-Post bringen und von dort abholen konnten.

Heute sind die einstigen Gütertrasse längst zum blühenden Park umgebaut worden und die High Line gehört zu den beliebtesten Touristenattraktionen New Yorks. Mehr als sieben Millionen Menschen spazieren jedes Jahr über das inzwischen weltweit nachgeahmte Erfolgsprojekt – so viele, dass an manchen sonnigen Tagen fast schon eine Art Dauerstau herrscht.

Vision mit Erfolg

In den 80er Jahren war die Trasse zur Brache geworden, die Verbindung zwischen der «Spur»-Abzweigung und dem Post-Verteilerzentrum wurde gekappt. Immer mehr Lastwagen wurden eingesetzt, und 1980 fuhr der letzte Zug über die heutige High Line – an Bord gefrorene Truthähne. Die Trasse vergammelte und mit ihr die Viertel um sie herum, bald geprägt von Abfallbergen, Straßenstrich und Kriminalität.

Der Abriss der Trasse war schon beschlossene Sache, aber Joshua David und Robert Hammond hatten andere Pläne. Die Nachbarn hatten sich auf einem Gemeinde-Treffen kennengelernt und eine Vision entwickelt: Die High Line sollte zum Park werden. Sie klagten gegen den Abriss, mobilisierten Prominente wie Schauspieler Edward Norton und Designerin Diane von Fürstenberg, sammelten Millionen – und hatten Erfolg. dpa

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