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Spitzenkandidaten Politiker suchen mit inhaltlichen Schwerpunkten wie Bildung, Zivilcourage, Chancengleichheit oder Verkehrspolitik ihr Profil

Bürgernähe steigert Beliebtheitswerte

Archivartikel

Ministerpräsident Michael Kretschmer will Regierungschef in Sachsen bleiben – und mit seiner CDU stärkste Kraft im Land. Wie sich die Regierungsbildung im Freistaat gestaltet, ist derzeit völlig offen. Neben inhaltlichen Fragen kommt es auch auf die Spitzenkandidaten an.

Michael Kretschmer (CDU): Kretschmer gilt als erfahrener Politiker – obwohl er erst 44 Jahre alt ist. Der Ministerpräsident übernahm dieses Amt 2017 von Stanislaw Tillich, der nach dem desaströsen Abschneiden der sächsischen Union bei der Bundestagswahl seinen Rücktritt erklärt hatte. Kretschmer, zweifacher Vater, steht für einen neuen Politikstil: offener, nahbarer. Er sucht den Austausch mit Bürgern. Dafür zollen dem gebürtigen Görlitzer nicht nur CDU-Anhänger Respekt, laut Umfragen ist er Sachsens beliebtester Spitzenpolitiker.

Martin Dulig (SPD): Der 45-Jährige ist SPD-Landesvorsitzender, Wirtschaftsminister und Ostbeauftragter der SPD. Als sechsfacher Vater und dreifacher Großvater betont er stets, wie sehr ihm das Thema Bildung am Herzen liegt. Er setzt sich für längeres gemeinsames Lernen in einer Gemeinschaftsschule ein. Im Gegensatz zu seiner Partei, die sich im Sinkflug befindet, gilt der SPD-Landeschef als populär. Unterwegs mit seinem Küchentisch oder spontan in der Fußgängerzone – er ist bekannt für ungewöhnliche Aktionen und sucht die Nähe zum Bürger. Der gebürtige Plauener lebt mit seiner Familie in Moritzburg.

Rico Gebhardt (Linke): Der 56-jährige Fraktionschef und Spitzenkandidat der Linken kommt aus Schlema im Erzgebirge und gilt als bodenständig, sein Humor als hintergründig. Der gelernte Koch wünscht sich „mehr Leipzig in Sachsen“ und meint damit eine starke Zivilgesellschaft, mehr Toleranz und eine offene Gesellschaft. Gebhardt war in der DDR Mitglied der SED. Er sitzt seit 2004 im Landtag.

Jörg Urban (AfD): Der in Meißen geborene Urban ist 55 Jahre alt und trat 2013 in die AfD ein. Im Februar 2018 wurde er Vorsitzender seiner Partei in Sachsen und löste damit Frauke Petry ab. Bis 2014 war der studierte Diplomingenieur und nebenberufliche Landwirt Geschäftsführer der zur DDR-Zeit gegründeten Umweltbewegung „Grüne Liga Sachsen“. Heute sympathisiert Urban eher mit dem rechten Flügel der Partei. Thematisch malt er ein düsteres Bild von der Lage in Deutschland und in Sachsen.

Katja Meier (Grüne): Die Politikwissenschaftlerin und gebürtige Zwickauerin, die seit 2015 im Landtag sitzt, will sich für eine andere politische Kultur, mehr Chancen für Frauen und soziale Politik für alle einsetzen. Die Schwerpunkte der 39-Jährigen: Gleichstellung und Verkehrspolitik – vor allem öffentlicher Nahverkehr. Meier fährt Rad und verzichtet auf ein eigenes Auto, macht stattdessen Carsharing. Früher spielte Meier als Bassistin in einer Punkband.

Holger Zastrow (FDP): Der 50 Jahre alte Holger Zastrow ist der dienstälteste Parteivorsitzende in Sachsen, seit 1999 steht er an der Spitze der FDP. Er machte sich nicht nur als Politiker, sondern auch als Unternehmer einen Namen. So übernahm er etwa das Ausflugslokal „Hofewiese“ in der Dresdner Heide. Sein Slogan auf den Wahlplakaten: „Einfach machen.“ Mit ihm zogen die Liberalen im Jahr 2004 mit 5,9 Prozent in den Landtag ein, fünf Jahre später kamen sie auf 10 Prozent und regierten mit der CDU. 2014 flogen die Liberalen mit 3,8 Prozent wieder aus dem Parlament. Am 1. September will Zastrow den Wiedereinzug schaffen. dpa