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Spitzenkandidaten Fallschirmjäger, Maurer, Ärztin aus Wiesbaden oder Lehrerin – die Hintergründe der aussichtsreichsten Politiker sind sehr unterschiedlich

Buntes Bewerberfeld: Spreewald trifft Hessen

Archivartikel

Dietmar Woidke gilt als beliebter Landesvater in Brandenburg. Seine SPD hingegen ist auch wegen des negativen Bundestrends in schwierigem Fahrwasser.

Dietmar Woidke (SPD): Als Woidke 2013 das Regierungsruder von Matthias Platzeck als Ministerpräsident übernahm, mochte er auf den ersten Blick weniger zugänglich wirken als sein Vorgänger. Inzwischen klopft auch er auf Schultern und macht humorige Sprüche. Der studierte Agraringenieur wurde 2004 zunächst Landwirtschaftsminister, danach SPD-Fraktionschef und schließlich Innenminister Brandenburgs. Bei der Wahl 2014 setzte der 57 Jahre alte Lausitzer die SPD-Siegesserie fort.

Ursula Nonnemacher und Benjamin Raschke (Grüne): Die Spitzenkandidatin der Grünen, Ursula Nonnemacher, 62-jährige Ärztin aus Wiesbaden, sitzt seit 2009 im Landtag. „Der große Erfolg bei den Kommunalwahlen Ende Mai gibt uns Rückenwind“, sagt Nonnemacher. Sie hat sich bereits als Fraktionschefin in der zu Ende gehenden Wahlperiode Respekt erworben. Ihr Co-Spitzenkandidat Benjamin Raschke ist 36 Jahre alt und im Spreewald geboren. Er studierte in Konstanz Politik und Jura.

Ingo Senftleben (CDU): Der gelernte Maurer und Hochbautechniker Senftleben versteht sich als Modernisierer der Partei und Brückenbauer über die politischen Lager hinweg. Der 45-Jährige flirtet offen mit den Grünen und schließt auch eine Koalition mit der Linken nicht aus. Zum Hauptgegner im Wahlkampf hat Senftleben SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke erklärt. Auf Wahlplakaten präsentiert sich der CDU-Landeschef bereits als Ministerpräsident, obwohl die CDU in den Umfragen bisher nicht vorn liegt.

Andreas Kalbitz (AfD): Der ehemalige Fallschirmjäger trat 2013 in die AfD ein und kam 2014 in den Brandenburger Landtag. Der gebürtige Münchner war früher CSU-Mitglied. Von Alexander Gauland, seinem politischen „Ziehvater“, übernahm er 2017 den Landesvorsitz, später auch den Posten als Fraktionschef. In Reden spitzt er gern zu. Kalbitz wird zum rechtsnationalen „Flügel“ um Björn Höcke in der Partei gezählt.

Hans-Peter Goetz (FDP): Spitzenkandidat Goetz ist ein bekanntes Gesicht in der Brandenburger Landespolitik – obwohl er nach der Landtagswahl 2014, als die Liberalen mit 1,5 Prozent Zweitstimmen aus dem Landtag flogen, lange von der politischen Bühne verschwunden war. Umso entschlossener tritt er im Wahlkampf auf. Im Jahr 2009 brachte er die FDP mit 7,2 Prozent zurück in den Potsdamer Landtag. Inhaltliche Schnittmengen sieht der Rechtsanwalt mit SPD, CDU und Grünen.

Kathrin Dannenberg und Sebastian Walter (Linke): Dannenberg gehört zum Spitzenkandidaten-Duo der Linken für die Landtagswahl. Die 53 Jahre alte Lehrerin stammt aus Leisnig in Sachsen, ist verheiratet und hat eine Tochter. Im Jahr 2010 erhielt sie den Deutschen Lehrerpreis. Sie setzt sich für Bildungsthemen ein und tritt gemeinsam mit Sebastian Walter an. Er ist mit 29 Jahren der jüngste unter den Bewerbern und einer der wenigen Kandidaten, der nach 1990 geboren wurde. dpa