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Hitlerglocke Ehemalige Präsidentin des Zentralrats des Juden, Charlotte Knobloch

Charlotte Knobloch: „Diese Glocke ist Metall gewordene Volksverhetzung“

Archivartikel

Mannheim.Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats des Juden, Charlotte Knobloch, hat den Umgang mit der sogenannten Hitlerglocke in der Pfalz heftig kritisiert. „Diese Glocke ist Metall gewordene Volksverhetzung“, sagte Knobloch im Interview mit dem „Mannheimer Morgen“. Sie sei dagegen und halte es für gefährlich, dass solche Gegenstände benutzt würden „ Nach dem, was hier zwischen 1933 und 1945 passiert ist, haben diese Dinge nichts in der Öffentlichkeit zu suchen“, betonte die 87-Jährige.

Während die seit Mai 2017 viel diskutierte Hitlerglocke in Herxheim am Berg (Landkreis Bad Dürkheim) weiterhin hängt, ist das später aufgetauchte südpfälzische Exemplar aus Essingen bei Landau im vergangenen Sommer nach Speyer gewandert. Die aus dem Kirchturm entfernte Glocke mit Symbolen aus der Zeit des Nationalsozialismus soll dort im Historischen Museum der Pfalz gezeigt werden. Knobloch begrüßte diese Vorgehen: „Ich war lange Jahre davon überzeugt, dass man sie verschwinden lassen sollte. Heute glaube ich schon, gerade weil ich auch mit vielen jungen Menschen spreche, dass ein Museum der richtige Ort ist, um eine Einordnung und Orientierung zu ermöglichen.“

Bei der Suche nach Glocken aus der NS-Zeit hatte die Evangelische Kirche der Pfalz 2017 fünf Exemplare mit problematischen Aufschriften entdeckt: in Mehlingen, Essingen, Pirmasens-Winzeln, Herxheim am Berg sowie im saarländischen Homburg-Beeden. Die Glocke in Mehlingen (Kreis Kaiserslautern) wurde ebenfalls ausgetauscht und befindet sich auch im Historischen Museum der Pfalz in Speyer. Die restlichen drei Exemplare bleiben nach einem Beschluss der Gemeinden hängen. Streit hatte es besonders um die Glocke Herxheim am Berg mit der Aufschrift „Alles fürs Vaterland – Adolf Hitler“ gegeben. Letztlich beschloss der Gemeinderat, sie als „Anstoß zur Versöhnung“ hängen zu lassen. Die Kirchengemeinde entschied, sie nicht mehr zu läuten.

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