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Bodenstation In Oberpfaffenhofen werden die wissenschaftlichen Versuche koordiniert / Abstimmung auch zwischen Nasa, Japanern und Russen

Das Ganze funktioniert nur in Zusammenarbeit

Archivartikel

An Urlaub können Berti Brigitte Meisinger und Marius Bach seit Jahresbeginn nicht denken – und auch über den Sommer fällt Freizeit flach. Die beiden stehen mit ihren Teams am Columbus-Kontrollzentrum im oberbayerischen Oberpfaffenhofen Alexander Gerst bei seiner wissenschaftlichen Arbeit zur Seite, wenn er am 6. Juni zur Internationalen Raumstation ISS aufbricht.

Meisinger koordiniert Gersts Arbeit von Seiten der europäischen Raumfahrtagentur Esa – eng im Kontakt mit Flugdirektor Bach vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. „Wenn etwas ist, schreibt Alex eine E-Mail. Oder er ruft an“, sagt Meisinger. Gerst kann Telefone am Boden anrufen.

Planung der Experimente

Rund um die Uhr sorgen in Oberpfaffenhofen unter Bachs und Meisingers Leitung 40 Techniker und Wissenschaftler dafür, dass im Labor in 350 bis 400 Kilometer Höhe über der Erde alles in Ordnung ist. Auf Dutzenden Bildschirmen und über drei riesige Leinwände verfolgen drei Teams, was im Columbus-Labor geschieht, überwachen Stromverbrauch, Atemluft und Raumtemperatur. Die Arbeitstage auf der ISS sind eng getaktet und lang. Die Raumfahrer müssen sich wohlfühlen. „Wenn die Astronauten sagen, uns ist ein bisschen zu warm, können wir kälter stellen. Wir steuern die Klimaanlage“, sagt Bach. Wenn Weltraumschrott naht und Ausweichmanöver geflogen werden müssen – was immer wieder vorkommt – ist das Kontrollzentrum in amerikanischen Houston zuständig.

In Oberpfaffenhofen steht die wissenschaftliche Arbeit im Zentrum. An 188 Tagen soll Gerst Experimente für zahlreiche Länder und Forschungsinstitute ausführen. „Wir müssen planen, welche Experimente wann laufen – und wie alles zusammenpassen kann“, sagt Bach.

Offene Kommunikation

Damit oben jeder Handgriff klappt, hat Gerst die Versuche auf der Erde schon einmal durchgespielt. Auch im Kontrollzentrum hat das Team die Abläufe trainiert, damit bei Gersts Mission alles glatt läuft.

Meisinger und Bach müssen sich ständig mit den Partnern auf der ISS abstimmen: Mit der Nasa, den Japanern und den Russen. Auch sie nutzen das europäische Columbus-Labor. Ein Jahr lang haben sich Meisinger und Bach vorbereitet.

Schon vor vier Jahren bei Gersts erster ISS-Mission hat Meisinger ihn unterstützt. „Es ist ein Vertrauensverhältnis“, sagt Meisinger. Für Umschweife ist im Kontakt zwischen All und Erde kein Platz. „Es ist eine sehr offene Kommunikation. Er will immer direkt hören, was ist, auch wenn es etwas nicht so Gutes ist.“ Gerst gilt als Teamplayer. „Es ist klar, dass wir das nur zusammen hinkriegen. Jedes Teammitglied ist wichtig in dem Uhrwerk, damit es funktioniert“, sagt Meisinger.

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