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Das Glück liegt weit entfernt

Archivartikel

Besonders dramatisch ist die Abwanderung aus Bosnien-Herzegowina. Viele der 3,5 Millionen Einwohner verließen bereits während des Bürgerkriegs von 1992 bis 1995 das Land, heute lebt mindestens eine Million Bosnier nicht in ihrer Heimat. Viele melden sich aber nicht ab, deshalb gibt es keine präzisen Daten. Die Emigrationsrate liegt laut Weltbank bei 44,5 Prozent und ist damit im regionalen Vergleich am höchsten.

Aus dem Kosovo sind seit 2012 etwa 150 000 Menschen ausgewandert. Gemäß Weltbank leben mittlerweile 450 000 Mazedonier nicht mehr in ihrer Heimat. Viele Albaner versuchen ihr Glück, indem sie von Frankreich mit Booten nach Großbritannien schippern und dort untertauchen. Auf dem Schwarzmarkt kaufen manche von ihnen rumänische oder italienische Identitätsausweise.

Kroatien besonders betroffen

Im EU-Land Kroatien nimmt der Exodus mittlerweile für den Staat bedrohliche Ausmaße an. Kroaten können in Deutschland aufgrund der EU-Mitgliedschaft ohne Visa und ohne bürokratische Hürden arbeiten. Zigtausende haben allein im Vorjahr das Land verlassen. In manchen Bereichen herrscht Arbeitskräftemangel.

Laut der Statistikbehörde Eurostat lebt jeder sechste Kroate in einem anderen EU-Land. Auch weniger qualifizierte Arbeitskräfte aus Kroatien kommen in anderen EU-Staaten leichter an Jobs als in ihrer Heimat. Allein im Jahr 2015 kamen 40 000 Kroaten nach Deutschland. awö

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