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„Das klingt nach Krieg“

Archivartikel

Udo Steinbach, langjähriger Direktor des Deutschen Orient-Instituts

Herr Steinbach, der Iran hat seinerseits das Atomabkommen teilweise gekündigt. Wie ist das zu bewerten?

Udo Steinbach: Das ist die minimale Antwort auf den totalen Ausstieg seitens der USA. Die Iraner haben ein Jahr lang mit einer Reaktion gewartet, obwohl das Land in dieser Frage gespalten ist. Da gibt es die politischen Hardliner, die am liebsten sofort ebenfalls ausgestiegen wären, und diejenigen, die Verhandlungen noch eine Chance geben wollen, um das Abkommen zu retten. Was jetzt herausgekommen ist, ist ein Kompromiss. Nach der Eskalation der Sanktionen, die den Iran ins Mark treffen, musste etwas geschehen. Und da finde ich diese Reaktion noch relativ maßvoll.

Welche Rolle spielen die USA?

Steinbach: Keine sehr rühmliche, leider. Amerika hat den Vertrag gebrochen, den es selbst geschlossen hat, das darf man nicht vergessen. Und Israel unterstützt es dabei. Seit Langem versucht die Regierung Netanjahu, die US-Regierung dazu zu bringen, militant und gegebenenfalls militärisch gegen den Iran aufzutreten, anscheinend mit Erfolg.

Was sollte Europa, was sollte Deutschland jetzt tun?

Steinbach: Bisher hat man versucht, vor allem ökonomisch zu reagieren. Das hat die Iraner nicht überzeugt und nicht viel gebracht. Was jetzt das Minimum wäre, ist: Deutschland und Europa müssten klipp und klar sagen, dass sie an einem Krieg gegen den Iran nicht teilnehmen. Denn das, was jetzt geschieht, hat eine fatale Ähnlichkeit mit dem Vorabend des Irak-Krieges. Damals zauberte der amerikanische Außenminister Beweise aus dem All hervor, die nicht zutrafen. Und heute sagt der US-Außenminister, die Iraner seien dabei gewesen, einen Schlag gegen amerikanische Einrichtungen vorzubereiten. Das klingt nach einer Parallele. Das klingt nach Krieg. mig (Bild: dpa)

Das Interview wurde telefonisch geführt und dem Gesprächspartner vor der Veröffentlichung vorgelegt.