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Vereintes Königreich Eine Nation ist gespalten angesichts der Entscheidung von Prinz Williams Bruder und seiner Frau / Druck der öffentlichen Aufmerksamkeit offenbar zu groß

Das Traumpaar zeigt dem Königshaus den Rücken

Archivartikel

Prinz Harry und Herzogin Meghan ziehen sich von der königlichen Familie zurück. Ist das eine Chance oder gar das Ende für die britische Monarchie?

Es gab Anzeichen. Als etwa die königliche Familie am ersten Weihnachtsfeiertag auf dem Weg zur Kirche lächelte und winkte, versteckten sich Prinz Harry und Meghan, die Herzogin von Sussex, mit ihrem Sohn Archie im Urlaub in der kanadischen Wildnis. Als Königin Elizabeth II. aus dem Buckingham-Palast ihre Weihnachtsansprache ans Fußvolk hielt, standen auf dem Schreibtisch vor ihr gerahmte Bilder von Thronfolger Prinz Charles und Camilla, von Enkel Prinz William mit seiner Ehefrau Herzogin Catherine und ihren Kindern George, Charlotte und Louis. Ein Foto von Prinz Harry plus Anhang fehlte.

Es gab noch viel mehr Anzeichen. Die Geburt von Baby Archie hielten die Sussexes zum Leid der Briten so privat wie möglich. Und Herzogin Meghan klagte erst im vergangenen Jahr mit Tränen in den Augen in die Kameras, ihr gehe es nicht gut angesichts des Drucks, der konstanten Aufmerksamkeit. Sie kritisierte zudem den Anspruch der Royals, keine Gefühle zu zeigen. „Was das im Inneren anrichtet, ist wahrscheinlich ziemlich schädigend.“

Verblüffung und Verärgerung

Die Königin hält seit mehr als sechs Jahrzehnten unter dem Motto durch: nichts erklären, sich nie beschweren. Prinz Harry attackierte derweil nicht nur öffentlich und scharf die Medien, das Paar geht sogar mit juristischen Mitteln gegen zwei britische Blätter vor, weil es sich unfair behandelt fühlt. Dennoch sorgte die Ankündigung von Prinz Harry und Herzogin Meghan für einen Paukenschlag in Großbritannien. Die beiden wollen als Mitglieder der Königsfamilie zurückzutreten, stattdessen wollen sie arbeiten, um finanziell unabhängig zu werden. Außerdem planen der Herzog und die Herzogin, ihre Zeit künftig zwischen dem Königreich und Nordamerika aufzuteilen.

Auf der Insel herrscht Verblüffung sowie Verärgerung – und das keineswegs nur bei Fans und Medien. Auch die Königsfamilie selbst erfuhr von der Entscheidung offenbar via soziale Medien. In einem Statement aus dem Palast hieß es, man verstehe „ihren Wunsch, einen anderen Weg einzuschlagen“. Innerhalb einiger Tage wollen die wichtigsten Mitglieder des britischen Königshauses nun eine Lösung für den künftigen Status von Prinz Harry und Meghan finden. Insider verrieten, dass in der Königsfamilie Bestürzung und Enttäuschung herrsche. Es sei „beispiellos“, wie hier „schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit gewaschen“ werde, befand der ehemalige Königshaus-Korrespondent der BBC, Peter Hunt.

Angeblich wussten die Windsors zwar seit einer Woche vom Anliegen der beiden, für sich eine neue Rolle zu finden. Doch die endgültige Entscheidung, noch dazu deren Veröffentlichung per Instagram statt über den Palastkanal, traf alle überraschend. Das Vorgehen kommt einem massiven Vertrauensbruch gleich. Und dieser könnte dem Image der Royals nachhaltig schaden. Immerhin nährt das britische Königshaus seinen Zauber auch aus der Unnahbarkeit und der Distanz. Die schweren Palastvorhänge werden stets nur einen Spalt weit aufgezogen. Harry und Meghan reißen sie nun mit aller Wucht herunter.

Das Paar wolle nach eigenen Angaben dieses Jahr eine neue „progressive“ Rolle im Königshaus entwickeln. Wie das mit solch einem radikalen Schritt möglich sein soll, dürfte als Rätsel der Woche gelten. „Sie werden ganz zurücktreten müssen“, befand Hunt. Die „Daily Mail“ widmete den „außer Kontrolle geratenen Royals“ die ersten 17 Seiten. Die Reaktion der Briten fiel dagegen gemischt aus. Die einen zeigten Verständnis, anderen bewerteten die Ankündigung als „respektlos“.

Trägt der Boulevard Schuld am Rückzug? War es der Rassismus, der Herzogin Meghan immer wieder entgegenschlug? Oder wählt das Paar schlicht ein anderes Leben als jenes im Korsett der Royals? Bislang ist nicht klar, wie das Arrangement aussehen könnte. Wer wird die Sicherheit übernehmen? Wer kommt für die Kosten auf, wenn Harry doch im Auftrag der Krone auf Reisen geht? Immerhin will das Paar weiterhin „uneingeschränkt“ die 93-jährige Queen unterstützen. Und wie wollen die beiden „unabhängig“ Geld verdienen? Bücher schreiben? Vorträge geben?

Jahrelanger Liebling der Briten

Es ist noch keine zwei Jahre her, als das Paar seine Hochzeit feierte. Damals jubelte die Welt, schwenkten Menschen im Freudentaumel Fähnchen und himmelten mit Krönchen auf dem Haupt die frisch Vermählten an. Damals sagten Beobachter eine neue Ära der Monarchie vorher: hier Markle, geschiedene US-Amerikanerin, Ex-Schauspielerin, ehemals stolze Aktivistin und Feministin, die Mutter dunkelhäutig. Da Prinz Harry, jahrelang Liebling der Briten, der nach dem Tod von Prinzessin Diana als Sorgenkind der Nation galt und sich mit seinem Engagement für wohltätige Zwecke gemausert hatte.

Das Paar wollte dem Königshaus frischen Wind einhauchen. Doch die Wirklichkeit holte Prinz Harry und Herzogin Meghan schnell ein. Sie schienen sich nie wohlzufühlen in ihrer Rolle als eines der berühmtesten Paare der Welt. Und insbesondere die 38-Jährige eckte regelmäßig an, kämpfte mit der Etikette. Wiederholt sich die Geschichte?

Historische Parallelen

Die Nation erinnert sich an das Jahr 1936, als König Edward VIII. abdankte, um die geschiedene US-Amerikanerin Wallis Simpson zu heiraten. Nur deshalb bestieg Bruder George, der Vater der Queen, den Thron. Ohne den Skandal damals, der die Monarchie ins Wanken brachte, wäre Elizabeth II. nie Königin geworden. Beobachter meinen, der Rückzug von Harry und Meghan könnte gar positiv für die Monarchie sein. „Nur eine auf ein Minimum beschränkte royale Familie erlaubt es dieser Institution, noch lang in diesem Jahrhundert zu bestehen“, sagte ein Kommentator und verwies auf Prinz Charles sowie die Nummer zwei der Thronfolge, Prinz William, und dessen Sohn, den sechsjährigen Prinz George. Der 71-jährige Charles peilt angeblich seit Längerem eine Verschlankung des Königshauses an.

Auch den Umgang mit den Medien wollen der Herzog und die Herzogin in die eigene Hand nehmen. Das könnte – gelinde ausgedrückt – schwierig werden angesichts der nach Schlagzeilen lechzenden Bevölkerung. Die Kritik ergoss sich denn auch sofort über die „verwöhntesten Blagen der Geschichte“, wie Publizist Piers Morgan die beiden nannte. Er gehört zu den Gegnern des Paares. Seiner Meinung nach sollte die Queen den beiden alle Titel entziehen. Meghan, so der Publizist, würde gern das Leben eines Stars auf dem Rücken ihres neuen royalen Ruhms führen, sich die guten Dinge wie Luxustouren, Filmpremieren, Charity-Galas und Hollywood-Parties als Rosinen herauspflücken. Aber sie wolle sich „ihre Hände nicht schmutzig machen“. Vor noch nicht einmal zwei Jahren wurde das Paar als das moderne Gesicht der Royals bejubelt. Diese Woche hat es sich weit von der Institution entfernt, als deren Zukunft es einmal galt.

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