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Naher Osten Massenpanik während des Trauerzugs für gestorbene irakische Militärs / Deutsche Soldaten aus dem Zentralirak nach Jordanien verlegt

Der Tod eines Generals destabilisiert eine ganze Region

Plötzlich musste es schnell gehen: Über Nacht hat die Bundeswehr ihre Männer und Frauen aus dem Zentralirak geholt. Und im Iran trauern erneut Hunderttausende um den getöteten General Ghassem Soleimani.

Ein Transportflugzeug der Bundeswehr bringt am Dienstagmorgen 32 deutsche Soldaten aus dem Zentralirak auf die von Deutschland genutzte Militärbasis östlich von Amman in Jordanien. Die Soldaten werden in Sicherheit gebracht. Ein Teil der Ausrüstung, die für das Training irakischer Kräfte genutzt wurde, bleibt im Militärkomplex Tadschi zurück. „Diese Kräfte können jederzeit zurückverlegt werden, wenn die Ausbildung im Irak wieder-aufgenommen werden soll“, teilte die Bundeswehr mit.

Der tödliche US-Drohnenangriff auf den iranischen General Ghassem Soleimani in Bagdad hat die Lage in dem Land geändert. Möglicherweise ist der Partnerschaft mit dem Irak im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nun sogar die Grundlage entzogen.

Europäisches Sicherheitsinteresse

Die Bundesregierung wirbt aber in Bagdad um Zustimmung für die Fortsetzung der Mission. Nötig seien ein weiterer internationaler Einsatz im Kampf gegen den IS und die Stärkung der zivilen und militärischen Strukturen im Irak, schreiben Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und Außenminister Heiko Maas (SPD). Anschläge des IS im Irak in den vergangenen Tagen zeigten, „dass der Kampf noch nicht entschieden ist“. Und: „Hier liegt ein wichtiges deutsches und europäisches Sicherheitsinteresse, das durch die jüngste Destabilisierung der Region an Bedeutung gewonnen hat.“

Noch fliegen auch die Tornado-Aufklärer im Luftraum über Syrien und dem Irak, die aber dem Mandat zufolge Ende März sowieso eingestellt werden. So richtet sich der Blick auf Erbil im nordirakischen Kurdengebiet. Dort sind 117 deutsche Soldaten, nachdem ein laufender Kontingentwechsel kurzfristig ausgesetzt worden war. Auch Washington gibt sich dem Kampf gegen den IS weiter verpflichtet. Darauf sei langfristig die Präsenz der US-Truppen in dem Land ausgerichtet, nur müsse man sich angesichts der derzeitigen Bedrohungslage auf den Schutz des Personals konzentrieren, sagt US-Verteidigungsminister Mark Esper.

Unterdessen nahmen an der Beisetzungsfeier für den getöteten General Soleimani in seinem Geburtsort Kerman in Südostiran erneut Hunderttausende teil. Der Andrang war so groß, dass es während des Trauerzugs zu einer Massenpanik kam. Mehrere Dutzend Menschen kamen dabei nach Angaben der Behörden ums Leben, zahlreiche weitere Trauernde wurden verletzt. Die Verantwortlichen, die vorher schon den Zeitplan des Trauerzugs wegen des Ansturms hatten ändern müssen, mussten nun Soleimanis Beisetzung verschieben.

Verhasster US-Präsident

Auch Menschen, die eigentlich nichts gegen die USA und die Amerikaner haben, skandierten lautstark „Tod den USA“. Noch nie, nicht einmal am Anfang der islamischen Revolution von 1979, war ein amerikanischer US-Präsident so verhasst wie derzeit Donald Trump.

„Soleimani war ein guter und treuer Soldat und hat unser Land jahrzehntelang verteidigt“, sagte der 43 Jahre alte Behnam. Was passiert wäre, wenn der IS in den Iran eingedrungen wäre, wolle er sich nicht vorstellen. „Ghassem hat das verhindert, und dafür sind wir ihm alle für immer dankbar,“ sagte er.

Ziel des US-Einsatzes gegen Soleimani in Bagdad war es, mit seinem Tod die Führung im Iran zu schwächen. Aber die Trauerzeremonien haben gezeigt, dass nun das Gegenteil eingetreten ist. dpa

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