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Radikalisierung Arabische Staaten finanzieren militante Tendenzen / Kritik insbesondere an Saudi-Arabien, Kuwait und Katar

„Der wahre Islam predigt keine Gewalt“

Archivartikel

Die Sicherheitslage in Nord- und Westafrika hat sich zuletzt weiter verschlechtert. Betroffen sind Bürgerkriegsflüchtlinge aus Libyen, aber auch Migranten in Niger. Dort hat sich ein Forum gebildet, um der Islamisierung entgegenzuwirken.

Herr Liman Ahar Fidjaji, Sie sind Präsident des „Observatoriums zur Verhinderung und Bewältigung von Konflikten im Niger“. Warum haben Sie ein solches Observatorium gegründet?

Liman Ahar Fidjaji: Wir haben seit dem Jahr 2000 immer häufiger von radikalen und gewalttätigen Tendenzen im Islam gehört. Wir wissen aber, dass der wahre Islam keine Gewalt predigt. Er ist eine Religion des Friedens und der Toleranz. Wir sind also auf die Koranschulen und die Prediger der Moscheen im Raum Agadez zugegangen und haben uns schließlich zusammengeschlossen, um gemeinsam unser friedvolles Verständnis vom Islam zu verbreiten. Wir haben auch die christlichen Glaubensgemeinschaften aufgenommen, die meisten sind Katholiken. Seit 2006 arbeiten wir alle zusammen. Vor allem im humanitären Bereich, aber auch, um Konflikte zu lösen.

Hat denn die Radikalisierung seitdem nachgelassen?

Fidjaji: Leider nicht, im Gegenteil. Die Menschen reisen viel, und sie kommen mit radikaleren Ideen aus den Nachbarländern zurück, zum Beispiel aus Libyen. Dort reden viele immer nur davon, dass sie töten und zerstören wollen. Dieser Glaube ist uns fremd.

Hat sich das Verhalten der Menschen hier schon geändert?

Fidjaji: Ja, viele Menschen kleiden sich anders als früher, tragen die kurzen Hosen der Wahabiten, und die Frauen verschleiern sich. Ein Grund dafür ist das viele Geld aus arabischen Staaten: aus Saudi-Arabien, Kuwait, Katar und anderen. Diese arabischen Staaten finanzieren hier in Niger Moscheen und Koranschulen, in denen ihre radikaleren Vorstellungen des islam gelehrt werden. Aber bisher gehören auch die wahabitischen Moscheen noch zu unserem Observatorium. Wir hoffen, durch die enge Zusammenarbeit die schlimmsten Auswüchse verhindern zu können.

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