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Betonbedarf Firmen in Bayern und Thüringen arbeiten an Alternativen / Vorkommen in trockenen Gebieten ist zu fein

Der Wüstenwind schleift die Körner ab

Archivartikel

Obwohl es ihn sprichwörtlich wie Sand am Meer gibt, werden die Körner knapp: Im globalen Bauboom hat sich die Nachfrage nach Sand und Kies binnen 20 Jahren verdreifacht. Die Weltbevölkerung wächst und strömt in die Städte.

Dabei gibt es viel Sand in Wüsten rund um den Erdball – nur ist der nicht nutzbar. Der Sand dort ist zu fein und haftet zu wenig für das Mischen zu Beton – der Wüstenwind schleift den Sand ab. Selbst Wüstenstaaten müssen daher tonnenweise Sand importieren.

Das kleine Münchner Unternehmen MultiCon hat daher eine Technik entwickelt, um feine Sande für Beton nutzbar zu machen. Dabei wird Sand zu Mehl zermahlen und bei schnellem Drehen auf Pelletiertellern zu größeren Granulaten verdichtet, wie der Technische Direktor Helmut Rosenlöcher erklärt. Die Stoffe aus Wüstensand werden dann mit einem in Hochgeschwindigkeitsmischern hergestellten Zementleim gemischt.

Hohe Nachfrage im Nahen Osten

„Der Bedarf im Mittleren Osten ist enorm“, erzählt Rosenlöcher. Das Verfahren könnte eines Tages helfen, den illegalen Abbau von Sand einzudämmen. „Die Sandmafia kann nur arbeiten, weil der Betonbedarf nicht gedeckt wird“, sagt Rosenlöcher. Auch der umweltschädliche Transport von Sand aus Australien mit hohem CO2-Ausstoß müsse nicht sein. Stattdessen ließe sich künftig Wüstensand an Ort und Stelle entnehmen, sagt Rosenlöcher.

MultiCon ist nicht die einzige Firma, die an neuen Sand-Verfahren tüftelt. Der Thüringer Unternehmer Gerhard Dust hat ein System entwickelt, um vorgeformte Bausteine aus Sand oder Schutt zu gießen. „Es funktioniert wie Lego“, sagt er. Dust verwendet dazu Polyesterharz als Bindemittel, um aus Sand oder Schutt sogenannten Polymerbeton herzustellen. „Er ist härter als Granit und härtet in 20 Minuten aus“, sagt Dust. Auch Wüstensand sei dazu verwendbar.

Sein Ansatz zielt aber nicht auf die Bauindustrie, sondern soll Armut bekämpfen: Die Bausteine können Menschen in Krisenregionen oder nach Naturkatastrophen helfen, schnell mit Material vor Ort Häuser zu errichten. „Der Bau eines Hauses mit 60 Quadratmetern Fläche dauert nur einen Tag“, sagt Dust, der die Firma Polycare 2010 nach dem Erdbeben von Tahiti mitgründete. Die Firma habe die Zulassung in Afrika und eine erste Fabrik in Namibia aufgebaut. Verhandlungen für weitere Fabriken würden in Ländern wie Ghana, Senegal, Südafrika und Ruanda geführt.

Der Haken am Verfahren: Polyesterharz ist nicht nachhaltig und wird aus Erdöl gewonnen. Polycare arbeite daran, ihn aus recycelten PET-Flaschen zu gewinnen, so Dust. In Deutschland ist die Bautechnik von Polcyare noch nicht zu gelassen.

Zulassung steht noch aus

Den globalen Sandmangel werden die Start-ups aber so schnell nicht beheben können. „Die Idee etwa von MultiCon ist gut, aber es bleiben Fragen offen“, sagt Barbara Leydolph vom Institut für Angewandte Bauforschung in Weimar. So müssten die Pellets noch resistent gegen Frost und nachbehandelt werden, um schwere Lasten auszuhalten. Auch ein Antrag auf Zulassung beim Deutschen Institut für Bautechnik fehle bisher. „Da steckt noch viel Arbeit dahinter.“