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Desaster für lokale Wirtschaft

Archivartikel

Jedes Jahr kommen 50 Millionen Festland-Chinesen nach Hongkong. Angesichts der anhaltenden Proteste in der Millionenmetropole am Perlflussdelta, die über die Halbinsel Kowloon direkt mit China verbunden ist, sind die Besucherzahlen dramatisch um die Hälfte eingebrochen. Hotels und Taxifahrer, Restaurants und Geschäfte, vor allem die bei wohlhabenden Chinesen beliebten Luxuslabel, leiden unter drastischen Umsatzeinbußen.

„Für die lokale Wirtschaft ist das Ganze ein Desaster“, sagt Wolfgang Niedermark, Chef der Deutschen Auslandshandelskammer in Hongkong. Internationale Unternehmen hingegen, die lediglich ihren Sitz in der Stadt haben, ihre Geschäfte aber woanders in Asien machen, spürten nur geringe, eher logistische Auswirkungen – bislang. Auch der Finanzmarkt, der in Hongkong eine sehr wichtige Rolle spielt, sei weiterhin stabil.

Was aber fast noch schwerer wiege als der wirtschaftliche Einbruch, so Niedermark, seien die emotionalen Schäden, die die Proteste im Verhältnis zwischen Hongkongern und Festland-Chinesen anrichteten. Das Misstrauen sei enorm: Banken und Einzelhändler würden ihre Glasfassaden teils schon mit Stahlplatten absichern und sich dahinter verschanzen. „Das ist eine große Belastung für das Miteinander, selbst wenn morgen die Proteste enden, werden die Folgen noch lange zu spüren sein.“ sba

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