Welt und Wissen

Engagement Videokünstler tritt für unabhängiges Denken und mehr Eigeninitiative ein / Schauspieltherapie gegen Traumata

„Die Weißen müssen verstehen, dass wir mitreden“

Archivartikel

Don Chiruza, 28, baut im Kongo die Schauspielschule Néglites auf. Kunst und Kultur sieht er als Medizin gegen Wunden aus der Kolonialzeit.

Herr Chiruza, die Demokratische Republik Kongo hat vor 58 Jahren die Unabhängigkeit erlangt. Hat die junge Generation mit dem Kapitel Kolonialismus abgeschlossen?

Don Chiruza: Nein. Viele von uns stecken noch im Abgrund, fühlen sich minderwertig. Ich bin gerade dabei, herauszukommen. Da will ich andere mitnehmen.

Welchen Beitrag kann da eine Schauspielschule leisten?

Chiruza: Der Name ist Programm. Néglites bedeutet nègres élites, also schwarze Elite. Wer sich als Schauspieler auszudrücken lernt, kann Selbstbewusstsein entwickeln und Traumata überwinden. Wir können zeigen, dass wir ebenso wie jedes andere Volk Herausragendes leisten können.

Weshalb setzt sich diese Erkenntnis erst jetzt durch?

Chiruza: Das hat mit dem Bild zu tun, das westliche Journalisten und Kulturschaffende vom Kongo verbreiten. Oft wird das Land so dargestellt, als seien wir im Krieg. Aber der Aspekt, wie die Kongolesen die Gewalt bekämpfen, kommt selten vor.

Und wie bekämpfen sie die Gewalt?

Chiruza: Ich sehe Menschen, die ihren inneren Frieden suchen. Der Rest wird folgen. Wir müssen an unserer Persönlichkeit arbeiten, für das Allgemeinwohl zu denken lernen. Auf dem Filmfestival laufen viele Beiträge über den Alltag der Menschen. Das regt zum Denken und Diskutieren an. Die Filme führen uns vor Augen, dass wir nicht mehr Opfer sind, dass wir selbst bestimmen, wohin wir wollen.

Ist allein der Westen Schuld, dass der Kongo eines der ärmsten Länder Welt ist und die Korruption die Entwicklung blockiert?

Chiruza: Der Kongo ist skandalös reich. Wir haben sämtliche Bodenschätze, die der Westen braucht. Aber bisher hat uns das nur Chaos gebracht.

Welche Verantwortung haben dabei die Kongolesen selbst, die Regierung zum Beispiel?

Chiruza: Auch diese Menschen müssen ihre Persönlichkeit entwickeln und für ihr Volk zu denken lernen. Und die Weißen müssen verstehen, dass wir jetzt mitreden. Wir können aus beiden Kulturen das Gute bündeln.

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