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Landwirtschaft Bauern kämpfen gegen Ernteausfälle / Auswirkungen auf Export und Preise von Lebensmitteln / Wichtiger Soja-Produzent

Dürreperioden haben Folgen für Deutschland

Archivartikel

„Wer heutzutage meint, sein Hinterhof sei sicher, der täuscht sich. Das politische Schicksal Brasiliens, ist natürlich mit Deutschland verknüpft.“ Das meint Geowissenschaftler Britaldo Soares Filho (kleines Bild), Professor an der Universität von Belo Horizonte in Brasilien, der mit klimarelevanten Forschungen hilft, der Politik und Wirtschaft seines Heimatlandes einen möglichen Weg aus dem ewigen Dilemma zwischen Ökologie und Ökonomie aufzuzeigen.

Auf Brasilien lastet eine unverhältnismäßig große Verantwortung. Das Land ist der Hüter der Kronjuwelen des Weltklimas, des Amazonas-Regenwaldes. In der derzeit schwierigen wirtschaftlichen und politischen Situation vernachlässigt Brasilien seine Umweltpolitik und wird seinen Aufgaben als Hüter des Schatzes kaum gerecht – jeder Quadratmeter Waldverlust im Amazonas bedeutet einen höheren CO2-Ausstoß in die Atmosphäre. Die Folgen der daraus resultierenden Erderwärmung hat Deutschland besonders in 2018 kennengelernt. Aufgrund der Dürreperiode haben die Bauern Ernteeinbußen von rund 25 Prozent erlitten und das Vieh hatte kein Futter. Die Gesellschaft wird über Subventionen an den Kosten beteiligt.

Der Düngemittelhersteller K+S wiederum hat im Sommer seine Produktion an mehreren Standorten herunterfahren oder sogar unterbrechen müssen, weil Flüsse zu wenig Wasser führten. Der Aktienkurs brach zeitweise ein. Das regenreiche Land Brasilien leidet seit Jahren unter Dürreperioden mit extremer Wasserknappheit für Mensch und Tier. Wenn sich die Klimabedingungen weiter verändern sollten, dann wird in Brasilien keine doppelte Ernte mehr eingefahren werden können und das Land seine Rolle als „Ernährer der Welt“ nicht erfüllen.

Die Agrar-Supermacht Brasilien exportiert Zucker, Sojabohnen, Mais, Kaffee, Rindfleisch, Schweinefleisch und Geflügelfleisch. Aufgrund der gestiegenen Nachfrage beispielsweise nach Soja als Futtermittel, sind mehr und mehr Waldflächen in Brasilien geopfert worden. Zugleich ist der Anbau absolut wasserintensiv. Tonnen an Sojaschrot werden an Tiere in Deutschland verfüttert, vorrangig in der Schweine- und Geflügelzucht.

Wenn der siebt größte Treibhausgas-Emittent Brasilien seinen Beitrag zum Pariser Klimaabkommen nicht erfüllen sollte, dann werden die Lasten sprich Anforderungen zur CO2-Eingrenzung auf andere Wirtschaftssektoren beziehungsweise auf andere Länder der Weltgemeinschaft umverteilt werden müssen. „Wenn der eine weniger macht, müssen andere mehr leisten. So funktioniert das“, sagt der Wissenschaftler. (Bild: Humboldt-Stiftung/Barthel)