Welt und Wissen

Ehrgeizig und kompetent

Nein, ein Verlegenheitskandidat war er nicht – das machte Gerhard Schick im Juni 2005 bei einem seiner ersten öffentlichen Auftritte in Mannheim auf seine ihm eigene Art und Weise deutlich: Er war damals gerade 33 Jahre alt und ein Neuling aus Hechingen, dem Wahlkreis des kurz zuvor zugunsten von Günther Oettinger zurückgetretenen Stuttgarter Ministerpräsidenten Erwin Teufel (CDU). In den Mannheimer Wahlkreis 275 hatte den als fähig und ehrgeizig geltenden jungen Kollegen Schick der damalige Bundesvorsitzende der Grünen, Reinhard Bütikofer, vermittelt – als gebürtiger Mannheimer, der in Speyer aufwuchs, wohl wissend, dass die Quadratestadt für Grüne kein einfaches Pflaster ist.

Brillante Antrittsrede

Schick, der zuvor als Projektmanager für die Bertelsmann-Stiftung in der Föderalismusförderung und europäischen Integration gearbeitet hatte, hielt bei der Mitgliederversammlung des Mannheimer Grünen-Kreisverbands eine brillante Antrittsrede, in der er sein großes politisches Anliegen – die soziale Gerechtigkeit aus der wirtschafts- und finanzpolitischen Perspektive – klar skizzierte. Langanhaltender Beifall der überwiegend jungen Grünen-Basis signalisierten damals eine Aufbruchstimmung im Mannheimer Kreisverband – obwohl die zu Ende gehenden sieben Jahre rot-grüner Bundesregierung in Berlin vor allem bei den älteren Parteimitgliedern vor Ort Frust hinterlassen hatten.

Dass Schick sich dann kurz darauf bei der Aufstellung der Landesliste ausgerechnet gegen den prominenten neoliberalen Ex-Bundestagsabgeordneten Oswald Metzger durchsetzte, verschaffte ihm bundesweit Aufmerksamkeit. Zum Nominierungsparteitag in Rottweil waren neben den regulären Delegierten ein Bus voller Mannheimer Parteimitglieder in Grünen-T-Shirts mit der Aufschrift „Grün ist Schick“ mitgereist, um ihren Kandidaten anzufeuern – auch dies ganz neue Töne bei der ehemaligen Alternativ-Partei.

Engagement vor Ort

Dass die Mannheimer Grünen „ihren“ Gerhard Schick unangefochten für drei weitere Legislaturperioden aufstellten, beweist, dass der Wirtschaftswissenschaftler und Musiker nicht abgehoben daherkam: Schick engagierte sich vor Ort, beispielsweise in der Aidshilfe und der psychologischen Lesben- und Schwulenberatung (Plus e.V.), und er dirigierte mit dem Landtagsabgeordneten und Mannheimer Grünen-Urgestein Wolfgang Raufelder (1957-2016) jahrelang die Geschicke des Kreisverbands.

Dabei mischte er sich durchaus in die kommunale Politik ein. Bei der Mobilisierung gegen den Bau des Steinkohle-Blocks 9 im Grosskraftwerk engagierte sich Schick 2008, ebenso wie für den Erhalt der Musikhochschule Mannheim-Heidelberg. Hier machte er sich 2013 gegen die Linie seiner Parteifreundin, der Stuttgarter Wissenschaftsministerin Theresa Bauer, stark, die Kürzungen durchsetzen wollte. Auch im Streit um Bundesgartenschau-Pläne für Mannheim vertrat Schick – anders als die grüne Mannheimer Umweltbürgermeisterin Felicitas Kubala – eine distanzierte Position.

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