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Bildungsplattform Suche nach Ursachen und Verantwortlichen für Scheitern des Modellprojekts geht weiter / Opposition spricht von Desaster

„ella“ hinterlässt einen Schaden in Millionenhöhe

Stuttgart.Auch fünf Monate nach dem abrupten Stopp kurz vor der Einführung ist unklar, wie es mit der Bildungsplattform „ella“ weitergeht. Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) wartet auf eine Stellungnahme der Softwareschmiede: Die muss klären, ob sie das Programm für reparabel hält oder eine komplette Neuentwicklung notwendig ist. Für über 100 000 Lehrer und 1,5 Millionen Schüler in Baden-Württemberg würde das bedeuten, dass sie noch einmal ein bis zwei Jahre auf die digitale Plattform zum Austausch von Aufgaben, Nachrichten und Unterrichtsmaterial warten müssten.

Eigentlich wollte Baden-Württemberg mit der „elektronischen Lehr- und Lernassistenz“ ein bundesweit wegweisendes Modell für alle Schulen entwickeln. „Das ist Neuland“, betont Eisenmann. Drei Tage vor dem Start hat die Ministerin die Einführung im Februar abgebrochen. „Es funktionierte gar nichts“, sagt sie im Rückblick. Die Fehler sieht sie bei der Landesgesellschaft BitBW und der Kommunalen Informationsverarbeitung Baden-Franken (KIVBF), die das Programm konkret entwickelte. Vor dort wurden weitere Subunternehmer eingeschaltet.

Lange Pannenserie

Der für die Informationstechnik des Landes zuständige Stefan Krebs räumt ein, dass erst nach dem Stopp in einem Lastenheft genau festgeschrieben wurde, was „ella“ können sollte. Einen Vertrag gibt es bis heute nicht, lediglich eine schriftlich fixierte Absichtserklärung. „Das ist zu bemängeln“, gibt Eisenmann zu. Dabei sind für das Projekt 28,7 Millionen Euro veranschlagt, 8,7 Millionen bereits bezahlt.

Inzwischen geht die KIVBF in die Offensive. In der eigenen Bewertung stellt das Unternehmen fest, „dass die technischen Ursachen für den damaligen Stopp der Produktivsetzung behoben sind“. Der Vorwurf von massiven technischen Schwierigkeiten sei nicht haltbar.

Der politischen Opposition geht es weniger um die technischen Probleme. Der SPD-Abgeordnete Stefan Fulst-Blei stuft das Scheitern von „ella“ als Desaster ein, das er Eisenmann anlastet. Er fürchtet, dass die 8,7 Millionen Euro ohne eine vertragliche Grundlage verloren sind. Technische Schwierigkeiten seien bei einem Projekt dieser Größenordnung zu erwarten. Naiv sei aber der „leichtfertige Umgang mit Steuergeldern“ gewesen.

Der FDP-Abgeordnete Timm Kern spricht von „schweren Fehlern beim Projektmanagement“ und sieht die Hauptverantwortung für das Scheitern bei BitBW und dem für die Digitalisierung zuständigen Innenministerium.

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