Welt und Wissen

Entsetzen in Mainz und Speyer

Archivartikel

Hunderte Kinder und Jugendliche sind in den Verwaltungsgebieten der Bistümer Mainz und Speyer durch Geistliche sexuell missbraucht worden. In dem Skandal räumten die Bistümer Fehler ein. Das System Kirche habe „massiv versagt“, sagte Generalvikar Andreas Sturm in Speyer gestern nach Vorstellung der Studie. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf sagte, er stehe „vor Fragen, welche die Kirche als Institution betreffen und das kirchliche Selbstverständnis infrage stellen“. Vom Erzbistum Freiburg waren gestern keine Zahlen zu erhalten – am Freitag sollen Ergebnisse veröffentlicht werden.

Im Bistum Mainz wurden laut Akten seit 1946 insgesamt 53 Geistliche des sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Ihnen könnten 169 Opfer zugeordnet werden. Im Bistum Speyer waren Generalvikar Sturm zufolge 98 männliche und 88 weibliche Kinder und Jugendliche betroffen. Erfasst worden seien Taten „bis hin zur Vergewaltigung“.

In elf von 23 strafrechtlichen Verfahren sei es zu Verurteilungen gekommen. „In 19 Fällen hat das Bistum Speyer insgesamt 139 000 Euro an Betroffene gezahlt“, sagte Sturm. Fast alle Täter seien mittlerweile gestorben. Es gelte nun, die Prävention auszubauen.

18 Gerichtsverfahren

Im Bistum Mainz wurden laut Akten 122 männliche und 47 weibliche Opfer erfasst. Die früheste registrierte Missbrauchstat datiere aus dem Jahr 1931, die letzte von 2010. Das Bistum liegt zum Großteil in Hessen, zum kleineren Teil in Rheinland-Pfalz. Den Angaben zufolge wurden seit den 1940er Jahren 18 Gerichtsverfahren gegen Mitarbeiter des Bistums Mainz geführt – Priester, Diakone und Laien. Vier Haftstrafen wurden verhängt, drei Freisprüche gab es. In den restlichen Fällen habe es Bewährungs- oder Geldstrafen gegeben. dpa