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„Es droht die Hölle auf Erden“

Gerhard Trabert, Arzt und Professor für Sozialmedizin

Der Mainzer Mediziner Gerhard Trabert warnt vor einer humanitären Katastrophe in der syrischen Rebellenhochburg Idlib.

Herr Trabert, wann waren Sie zuletzt in Idlib, wo jetzt ein Angriff der syrischen Regierungstruppen droht?

Gerhard Trabert: Noch nie, die Türkei hat mir bisher leider immer die Einreise verboten. Ich kann die medizinische Versorgungslage dennoch gut beurteilen, weil ich dort mit vielen Aktivisten in Kontakt bin. Außerdem unterstützt mein Verein Armut und Gesundheit in Deutschland das Akra-Bat-Hospital in Idlib finanziell und hat Gerät und Arzneimittel dorthingeschickt. Wie alle Krankenhäuser ist es am Limit. Aber es geht einigermaßen. Vor einem Jahr war die Versorgungslage katastrophal, das hat sich geändert, seitdem die Kämpfe abgeebbt sind.

Und wenn es zur Offensive auf Idlib kommt?

Trabert: Dann wird das für die Menschen zur Hölle auf Erden. Viele würden sterben und die medizinische Versorgung total zusammenbrechen. Inzwischen leben ja schon rund drei Millionen Flüchtlinge in der Region. Dort herrscht jetzt panische Angst.

Wohin würden die Menschen dann fliehen?

Trabert: Viele würden sich zur syrisch-türkischen Grenze aufmachen. Aber die Türkei hat da ja einen Grenzwall aufgebaut und bereits nach der Schlacht um Aleppo nach meinen Informationen Wasserwerfer eingesetzt und auch auf Flüchtlinge geschossen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Türkei die Grenzen wieder aufmachen wird. 

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