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Sicherheit Die Zoos in der Region bereiten sich mit Notfallplänen und Übungen auf mögliche Großbrände vor / Im Ernstfall ist Schutz der Menschen aber vorrangig

Evakuierung von Gehegen schwierig, Rauchmelder selten

Archivartikel

Rhein-Neckar/Frankfurt.Sogenannte Himmelslaternen sollen das Affenhaus im Krefelder Zoo in Brand gesteckt haben. Obwohl die Feuerwehr mehrere Stunden gegen die Flammen ankämpfte, konnten 30 Tiere nur noch tot geborgen werden. Wie ist es in den Tierparks der Region um die Sicherheit bestellt?

Zoologischer Garten Karlsruhe

Im Zoologischen Stadtgarten in Karlsruhe geriet im November 2010 das Streicheltiergehege in Brand, für 26 Tiere kam jede Hilfe zu spät. „Die anschließende Spendenbereitschaft war so groß, dass wir das Streicheltiergelände sofort wieder aufbauen konnten – und es mit mehreren Rauchmeldern ausgestattet haben“, erzählt Zoodirektor Matthias Reinschmidt. Aufgrund der Staubentwicklung kam es aber zu häufigen Fehlalarmen, so dass die Rauchmelder schnell wieder abgeschafft wurden. In anderen Bereichen des Zoos bestünden aber Brandmeldeanlagen. Das Evakuieren von Tieren gestaltet sich dagegen schwierig. „Ein Raubtier müsste narkotisiert werden. Bis ein Narkosepfeil wirkt, dauert es aber mindestens 15 bis 20 Minuten“, erläutert Reinschmidt die Problematik.

Zoo Frankfurt

Auch Christine Kurrle vom Frankfurter Zoo verweist darauf, dass man Großtiere wie Orang-Utans oder Gorillas im Ernstfall nicht einfach aus dem Gehege in die Freiheit entlassen kann. Auch müsste geprüft werden, ob bei einem Feuer die Tierpfleger noch die Gebäude betreten können. „Es gilt immer die goldene Regel: Der Schutz des Menschen steht vor dem Schutz des Tieres“, sagt Kurrle. Brand- und Rauchmeldeanlagen sowie geschultes Personal und Notfallpläne sollen Unglücke wie das in Krefeld vermeiden.

Heidelberger Zoo

Auch in Heidelberg gibt es einen Einsatzplan für Notfälle. Bei speziellen Übungen werden Feuerwehrmitglieder im Umgang mit Tieren geschult, teilte die Stadt Heidelberg auf Nachfrage dieser Zeitung mit. Im Falle einer Evakuierung würden Zoomitarbeiter und Rettungskräfte diese gemeinsam durchführen. Ob sich für den Heidelberger Tierpark Schlüsse aus dem Brand in Krefeld ziehen lassen, wollen die Verantwortlichen in nächster Zeit prüfen.

Landauer Zoo

Regelmäßige Übungen und Notfallpläne gibt es auch in Landau. Zoodirektor Jens-Ove Heckel plädiert aber für ein gesetzliches Feuerwerks-Verbot in der Umgebung von tierhaltenden Betrieben. „Einen hundertprozentigen Schutz kann es aber sowieso nicht geben“, sagte Heckel.

Luisenpark Mannheim

Exotische Tiere gibt es auch im Luisenpark zu bestaunen. Sollte es dort brennen, würde man versuchen, die Gehege zu schützen, um eine Evakuierung zu vermeiden, teilte die Stadt Mannheim auf Nachfrage mit. Ein spezielles Alarmsystem gibt es dort nicht, da „die Ausstattung von Tiergebäuden mit Brandmeldeanlagen in Deutschland derzeit kein Standard ist“. tbö

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