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Verhandlungen Hinter dem Konflikt um Sanaa steht die Rivalität zwischen Saudi-Arabien und Iran / USA unterstützen Beratungen

Fast jeder dritte Tote ist ein Zivilist

Tausende Tote und und Millionen Menschen in Not – mit dieser Hypothek nahmen die Kontrahenten des Bürgerkriegs im Jemen gestern in Stockholm neue Friedensgespräche auf. Bei ihnen soll über ein Ende der Kämpfe und eine Linderung der humanitären Krise verhandelt werden.

Millionen notleidende Menschen in dem Land auf der Arabischen Halbinsel hoffen auf ein Ende der Gewalt. Die Vereinten Nationen bezeichnen die Situation im Jemen, der mehr als 28 Millionen Einwohner hat, als schwerste humanitäre Krise der Welt. In den vergangenen vier Jahren wurden in dem Konflikt zwischen Huthi-Rebellen und der international anerkannten Regierung des Landes nach UN-Angaben mehr als 28 000 Menschen getötet oder verletzt. Unter den Toten seien etwa 10 000 Zivilisten.

Im Jemen kämpfen die Huthis gegen die Regierung, die von einer saudisch geführten Koalition unterstützt wird. Das sunnitische Saudi-Arabien sieht in den Rebellen einen Verbündeten seines schiitischen Erzfeindes Iran. Das Bündnis hat mit seinen Luftangriffen maßgeblich zur Eskalation beigetragen. Die Infrastruktur ist infolge von Bombenangriffen und Gefechten teilweise zerstört, in einigen Regionen gibt es keine medizinische Versorgung. In den vergangenen Jahren scheiterte eine Reihe von Friedensgesprächen an den verhärteten Fronten der Konfliktparteien.

Die USA riefen im Hinblick auf die Konsultationen in Stockholm zu einem sofortigen Ende der Gewalt auf. „Die Menschen im Jemen haben viel zu lange gelitten“, teilte US-Außenamtssprecherin Heather Nauert mit. Die USA unterstützten den UN-Sondergesandten Griffiths bei dessen Bemühungen.

Austausch von Gefangenen

In den vergangenen Wochen hatten einige vertrauensbildende Maßnahmen für Optimismus gesorgt. Erst am Montag waren 50 verletzte Rebellen „aus humanitären Gründen“ aus Sanaa ausgeflogen worden. Ihre Behandlung im benachbarten Oman war eine Bedingung der Huthis für die Teilnahme an Friedensgesprächen. Auch ein umfassender Gefangenenaustausch zwischen Regierung und Rebellen scheint bevorzustehen. Es wäre nach UN-Angaben die erste unterschriebene Vereinbarung zwischen den Konfliktparteien in dem fast vier Jahre andauernden Konflikt.

In Stockholm wird es Beobachtern zufolge auch erst einmal darum gehen, Vertrauen zwischen den Delegationen zu schaffen, nachdem diese jahrelang nicht mehr von Angesicht zu Angesicht miteinander geredet hatten. Ein Durchbruch in Stockholm ist Beobachtern zufolge zwar nicht außer Reichweite, gerechnet werden könne damit aber nicht.

Die Linke-Fraktion im Bundestag forderte die Bundesregierung derweil dazu auf, die Friedensgespräche aktiv zu unterstützen und eine Hungersnot im Jemen abzuwenden. „Wichtigster Beitrag von deutscher Seite zur Beendigung der humanitären Katastrophe in Jemen ist die sofortige Schließung aller Schlupflöcher für die Waffenlieferungen deutscher Rüstungsschmieden an Saudi-Arabien“, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Sevim Dagdelen.

Außenminister Heiko Maas (SPD) warnte ebenfalls vor einer humanitären Katastrophe im Jemen, falls die Gespräche über eine Beendigung des Bürgerkriegs scheitern sollten. Auf beide Seiten sollte Druck ausgeübt werden, sagte Maas gestern. Ein Waffenstillstand und humanitäre Hilfe seien notwendig. 

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