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Prävention Auch in der Region herrscht teilweise hohe Brandgefahr / Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen / Flugsportvereine sollen Rauch melden

Feuerverbot in den Wäldern und gesperrte Grillhütten

Archivartikel

Mannheim.Auch in der Region sind Feuerwehren und Forstämter derzeit in Habacht-Stellung: „Die Waldbrandgefahr ist erheblich“, sagt Günter Franz von der Zentralstelle der Forstverwaltung in Neustadt. Sie ist für den Pfälzerwald verantwortlich. Vor allem am Haardtrand im Landkreis Südliche Weinstraße sei das Risiko hoch.

„Dort wachsen viele Kiefern, überall liegen trockene Nadeln. Außerdem gibt es dort die meisten Besucher. Damit steigt die Gefahr, dass durch fahrlässiges Verhalten wie Rauchen oder Grillen ein Feuer ausbricht“, sagt Franz. Gleichzeitig sei der Pfälzerwald mit vielen Wegen gut erschlossen. So würden Brände oft schnell entdeckt, im Notfall kämen Einsatzkräfte auch rasch an die betroffenen Stellen. „Dass es hier zu einem Brand wie in Griechenland kommt, ist deshalb eigentlich ausgeschlossen.“

Zweithöchste Warnstufe

Auch die Flugsportvereine in der Region seien aufgefordert, die Augen offen zu halten und sich direkt zu melden, wenn sie irgendwo Rauch sehen, so Franz. Außerdem sei offenes Feuer derzeit auch an den Stellen, an denen es normalerweise erlaubt ist, verboten. Gleiches gilt für die Wälder in Mannheim und im Rhein-Neckar-Kreis: Dort sind alle Grill- und Feuerstellen seit Mitte Juli gesperrt. Im Bezirk des Forstamts Lampertheim, das für das Ried und Teile des Odenwalds zuständig ist, ist bisher ebenfalls eine Grillhütte geschlossen worden, weitere würden überprüft. „Bei uns gilt im Moment die Gefahrenstufe 4 bei Waldbränden, also die zweithöchste auf der Skala“, erklärt Werner Kluge von der Lampertheimer Behörde.

Im Neckar-Odenwald-Kreis liegt das Risiko nach Behördenangaben derzeit zwischen 3 und 4. Im Main-Tauber-Kreis gilt das Risiko nach starken Regenfällen am Wochenende derzeit nicht als akut. Es gebe daher auch kein flächendeckendes Verbot für die Nutzung von Feuerstellen im Wald. In Mannheim sieht sich die Berufsfeuerwehr für einen möglichen Brand gerüstet. So sind im Käfertaler Wald Leitungen mit rund 20 Wasser-Entnahmestellen verlegt. Mit Klaus Sieber, Diplom-Forstingenieur und als Wachleiter Nord im Führungsdienst, hat die Mannschaft einen Experten.

Spezielle Ausrüstung

Schon vor zehn Jahren hat er jedes Hilfeleistungs-Löschfahrzeug mit einem sogenannten Waldbrandset ausgestattet. Dazu zählen „Waldbrandpatschen“, mit denen man auf die Glutnester schlägt, sowie Wiedehopfhauen, um zu in der Humusschicht verborgener Glut vorzudringen. „Eine absolute Besonderheit für eine Großstadt-Feuerwehr“, so Sieber. Schließlich umfasst das „Waldbrandset“ Taschen mit jeweils zwei 30-Meter-Schläuchen, die schmaler als die normalen Schläuche sind und weniger Wasser verbrauchen.

Zudem hat man die Fahrzeugflotte aufgerüstet. So sind bei den Abteilungen Nord, Feudenheim und Rheinau der Freiwilligen Feuerwehr jeweils geländegängige Tanklöschfahrzeuge mit 3000 Litern Wasser stationiert – ergänzend zu den zwei Groß-Tanklöschfahrzeugen der Berufsfeuerwehr (je 4000 Liter) auf den Wachen Nord und Süd.

Mit der Ausstattung der Feuerwehr hat man auch Konsequenzen aus dem Waldbrand gezogen, der 1976 im Käfertaler Wald Bäume und Büsche auf 94 Hektar zerstörte. Zwei Feuerwehrfahrzeuge wurden damals blitzschnell von Flammen eingeschlossen und vernichtet. Mannheim löste seinerzeit Katastrophenalarm aus, 800 Helfer aus der gesamten Region wurden mobilisiert – es war der bisher größte Einsatz.

Bundesweit fehlt es einem Bericht der „Rheinischen Post“ zufolge unterdessen an Spezialisten und Ausrüstung zur Waldbrandbekämpfung. „Es ist tatsächlich so, dass die Länder und der Bund über kein einziges Löschflugzeug verfügen“, sagte die Sprecherin des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Bonn, Marianne Suntrup, der Zeitung. Entsprechende Hubschrauber hätten nur Bundeswehr und Polizei.

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