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Alte Donau Einstmals stillgelegter Seitenarm des Flusses entwickelt sich zum Freizeitparadies vieler Wiener – per U-Bahn in sieben Minuten vom Zentrum erreichbar

„Fröhliche Herzen schlagen an deinem Strand“

Archivartikel

Vom Stephansplatz in der City von Wien ist man in sieben Minuten mit der U1 in Kaisermühlen, und von dort ist es nicht mehr weit zu einigen beliebten alten Stränden an der „Alten Donau“, auf denen sich die Wiener im Sommer vergnügen. Die Strände heißen Gänsehäufel, Strombad oder Kaiserwasser. Jahrzehntelang war die Gegend dort für einen eher „tiefen Schmäh“ bekannt, eine eher derbe Ausdrucksweise – kaum jemand aus der Innenstadt kam hierher. Doch heute ist der Bezirk wegen der Lage am Wasser sehr beliebt – und die Immobilien dort sind teuer.

Der 60-jährige sonnengebräunte Paul fährt mit seiner Freundin seit Jahrzehnten dorthin. „Früher war das hier für viele Wiener weit weg, man sagte abfällig ,Transdanubien‘ – heute ist das eine teure Gegend“, meint er. Auf der „Alten Donau“, einem Seitenarm, fährt an diesem heißen Sommertag gerade ein Boot vorbei, auf dem eine Palme thront. Wien kann im Sommer genau so gut sein wie Bibione in Italien oder Makarska in Kroatien.

Hier an der „Alten Donau“ kann man bei ein paar „weißen Spritzern“ chillen und grillen oder ehrgeizigen Polizisten zuschauen, wie sie bei der Tretboot-Regatta gegeneinander antreten. Aber nicht nur die Polizei hat hier ihren eigenen Freizeitpark. Die alten Badestrände auf der Halbinsel „Kleines Gänsehäufel“ wurden an kommunale Einrichtungen vergeben – wie eben Polizei, Feuerwehr, Elektrizitätswerke oder Straßenbahner. Hier werden Hochzeiten und Geburtstage gefeiert, man bekommt alles vom Schnitzel bis zur Sachertorte. „Wenn man kein Cordon bleu mag, dann kommt man besser nicht hierher“, sagt der 73-jährige Peter.

Im Abendlicht ist die Donau wirklich so, wie von Johann Strauss im „Donauwalzer“ beschrieben: „Fröhliche Herzen schlagen an deinen Straßen.“ Damals war dieser Donauarm noch Teil des Flusses. Erst ab 1870 wurde die Donau wegen der vielen Überschwemmungen reguliert – die jetzige „Alte Donau“ ist ein stehendes Binnengewässer inmitten von Wien. Blickt man vom Polizei-Strand hinüber, türmen sich die Gebäude der UNO-City vor einem auf – urban und gleichzeitig grün.