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Reiseländer Hoteliers auf den Balearen und Kanaren sowie auf den Ägäis-Inseln rechnen mit finanziellen Ausfällen in dreistelliger Millionenhöhe

Griechenland und Spanien fürchten drastische Verluste

Archivartikel

Rund drei Millionen Urlauber wollte der Reiseveranstalter Thomas Cook in diesem Jahr nach Griechenland bringen. Daraus wird nichts. Nach der Insolvenz des britischen Konzerns sitzen jetzt rund 50 000 Touristen in Griechenland fest. Und auf die Hoteliers dort kommen Verluste in dreistelliger Millionenhöhe zu.

Für Giannis Retsos, den Präsidenten des Verbandes der griechischen Touristikunternehmen (Sete), ist es die Stunde der Bewährung. Angesichts der Pleite von Thomas Cook gelte es nun, „Solidarität mit den betroffenen Urlauben zu zeigen“, ließ Retsos seinen Verband erklären. Wie die griechischen Hoteliers, Gastwirte und Reisebüros jetzt mit den gestrandeten Gästen umgehen, werde „das Gesicht Griechenlands als eines gastfreundlichen und verantwortungsbewussten Landes prägen“.

Riesige Einbußen drohen

Die Branche steht vor riesigen Einbußen. Die meisten Hoteliers, die Thomas-Cook-Kunden beherbergen, sind seit Mitte Juni dieses Jahres nicht mehr bezahlt worden. Der Verband Sete beziffert den Schaden auf 300 bis 500 Millionen Euro. Und die Summe könnte noch steigen: Offen ist, ob die Hoteliers die bereits für 2020 an Thomas Cook vermieteten Kontingente anderweitig loswerden können.

Auf dem griechischen Markt war Thomas Cook nach Tui der zweitgrößte Anbieter. Im vergangenen Jahr brachte der Konzern etwa jeden zehnten der 30 Millionen ausländischen Urlauber ins Land. Schwerpunkte des Geschäfts waren die Inseln Rhodos, Kos, Korfu, Zakynthos und Kreta. Dort hatten 70 Prozent aller Hotels Verträge mit Thomas Cook, berichtet Michalis Vlatkos, der Präsident des kretischen Tourismusverbandes. Die Pleite sei „ein Erdbeben der Stärke sieben“, sagt der Verbandschef und sorgt sich: „Der Tsunami kommt erst noch.“

Tatsächlich sind die mittelfristigen Folgen noch gar nicht absehbar. Im griechischen Tourismusministerium wurde ein Krisenstab eingerichtet. Die Regierung prüft Steuererleichterungen für die betroffenen Hoteliers. In der Branche gibt es Befürchtungen, dass Hotels nun ebenfalls die Insolvenz drohen könnte.

Angestellte in Sorge

Auch für die Tourismuswirtschaft auf der Insel Zypern kam die Pleite wie ein Schock. In diesem Jahr wollten Thomas Cook und seine Tochtergesellschaften 456 000 Urlauber nach Zypern bringen, rund elf Prozent aller Touristen auf der Insel. Rund 15 000 überwiegend britische Urlauber sind nun gestrandet. Davon sollen 8000 noch in dieser Woche ausgeflogen werden. Die Briten stellen traditionell die größte Urlaubernation auf Zypern. Viele Hotels hatten 70 bis 80 Prozent ihrer Betten für Thomas Cook reserviert. Sie sitzen jetzt auf unbezahlten Rechnungen von rund 50 Millionen Euro.

Angespannt ist auch die Stimmung vor dem Firmensitz von Thomas Cook in Palma de Mallorca, in der Hunderte Menschen arbeiten. „Sie haben uns nichts gesagt, keine Mail, keine Mitteilung, keine Versammlung“, erzählten zwei Beschäftigte einem Reporter der Lokalzeitung „Diario de Mallorca“. „Wir machen uns ernsthafte Sorgen.“

Ihre Sorgen sind die Sorgen der spanischen Tourismusindustrie. Von den 83 Millionen Ausländern, die im vergangenen Jahr Spanien besuchten, waren 18,5 Millionen Briten – die mit Abstand größte Gruppe vor Deutschen (11,4 Millionen) und Franzosen (11,3 Millionen). Die Thomas-Cook-Pleite sei „ein schwerer Schlag“ für die Hotels auf den Balearen, sagte die Präsidentin des mallorquinischen Hotelierverbandes, María Frontera. Das sei ein Schock „von nie gekanntem Ausmaß“. Jede Branche rechnet schon den Schaden aus: Die Busunternehmer auf der Insel rechnen mit fünf Millionen Euro Einbußen.

Und auf den Kanaren sitzt der Schreck ebenso tief. „Eine Tragödie für die kanarische Wirtschaft“, sagt der Unternehmerpräsident von Teneriffa, Eduardo Bezares. Nach einem Bericht von „El País“ sei Thomas Cook dort der wichtigste Kunde „praktisch aller“ großen Hotels.

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