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Koalitionen Ökopartei profitiert von bundesweiter Entwicklung / Junges Spitzenduo macht der CSU Kooperation noch schwer

Grüne könnten zum Königsmacher werden

Archivartikel

Es ist schwer, ein Foto zu finden, auf dem Katharina Schulze nicht lacht oder wenigstens lächelt. Die Spitzenkandidatin der bayerischen Grünen tat das auch schon, als die politische Lage ihr dazu keinen besonderen Grund gab – aber jetzt umso mehr: Nach allen bisherigen Umfragen können die Grünen mit einem deutlich zweistelligen Ergebnis rechnen und die SPD als zweitstärkste Kraft im Freistaat ablösen.

Parallel zu den Entwicklungen im Bund und anderen Bundesländern begünstigt der Niedergang der Volksparteien auch in Bayern neben der AfD vor allem die Grünen. Co-Spitzenkandidat Ludwig Hartmann ist gerade 40 Jahre alt geworden und könnte damit rein theoretisch zum Ministerpräsidenten gewählt werden. Die 33-jährige Katharina Schulze muss da noch ein paar Jahre warten. Es sei denn, die Grünen setzen sich mit ihrer Forderung nach Senkung des Mindestalters für Regierungschefs im Freistaat durch.

Vorbild Baden-Württemberg

Die Altersgrenze, sagt Hartmann, sei nicht mehr zeitgemäß: „Das sieht man schon, wenn man nach Frankreich oder Österreich schaut.“ Aber um nicht als Fantast dazustehen, fügt Hartmann denn doch hinzu: „Die Frage nach einem Ministerpräsidenten Hartmann stellt sich für mich momentan nicht.“ Momentan! Denn so weit wie im Nachbarland Baden-Württemberg, das mit Winfried Kretschmann von einem grünen Ministerpräsidenten regiert wird, sind die Grünen in Bayern noch lange nicht. Ihnen ist klar: Um richtig mitzugestalten, kommen sie um ein Bündnis mit der ungeliebten CSU nicht herum. Liebe herrscht allerdings nicht zwischen den beiden potenziellen Partnern. Es ist schwer zu sagen, in welchem Lager gegen die jeweils andere Seite größere Vorbehalte bestehen.

Klare Absage

Einer der größten Gegner von Schwarz-Grün in der CSU ist Landtagsfraktionschef Thomas Kreuzer, aber auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erteilte den Grünen jüngst auf einem CSU-Parteitag eine klare Absage wegen ihres „Anti-CSU-Programms“. Als im vergangenen Juni die Christsozialen wegen des Asylplans ihres Chefs Horst Seehofer gegen den Rest der politischen Welt rebellierten, hatte auch Hartmann Schwarz-Grün ausgeschlossen: „Mit so einer CSU kann ich es mir nicht vorstellen.“ Das hat er seither allerdings nicht mehr wiederholt. „Wir sind gesprächsoffen für alle demokratischen Parteien“, ist jetzt die Sprachregelung von Katharina Schulze.

Die Grünen machen es der CSU nicht leicht, sie zu mögen. Ein Zehn-Punkte-Aktionsprogramm, das die Grünen vorlegten, beinhaltet in weiten Teilen das Gegenteil dessen, was die Christsozialen für richtig halten. „Urgrün und rückwärtsgewandt“, heißt es in der CSU. „Wer mit uns koalieren will, muss bereit sein, bei diesen zehn Punkten in den nächsten fünf Jahren einen großen Schritt voranzugehen“, bekräftigt Hartmann. Keine Frage: Die CSU-Führung ist dazu nicht bereit, es sei denn, ihr bleibt wirklich nichts anderes mehr übrig.