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Region Bislang keine Verdachtsfälle bestätigt / Virologe sieht aktuell keinen Grund zur Sorge und hält Mundschutz nur bei Kranken für sinnvoll

Heidelberger Experte warnt vor Panikmache

Archivartikel

Heidelberg.Am Vormittag sorgen Meldungen über Verdachtsfälle für Aufregung, am Nachmittag gibt der leitende Virologe Entwarnung: In der Rhein-Neckar-Region gab es bis Redaktionsschluss am Dienstag keinen Anlass, sich vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu sorgen. Das betont Hans-Georg Kräusslich, Leiter der Abteilung für Infektiologie und Virologie am Universitätsklinikum Heidelberg. Neun Patienten, die zuvor in China gewesen wären, hätten sich mit Grippesymptomen in der Ambulanz gemeldet. Bei allen sei der Test auf Corona aber negativ ausgefallen.

Die Patienten seien nicht stationär aufgenommen worden. „Dafür gab es keinen Anlass“, sagt Kräusslich in einem am Dienstagnachmittag anberaumten Pressegespräch. Vielmehr habe der Rat gelautet, nicht zur Arbeit zu gehen und daheim zu bleiben, um nicht Virenüberträger zu werden und sich auszukurieren. Diese Tests seien in Berlin erfolgt. Schon in den nächsten Tagen sei es aber möglich, in Heidelberg an Husten oder anderen Grippesymptomen erkrankte Personen direkt zu testen. „Dann haben wir das Ergebnis nach zwei bis drei Stunden – bislang bekommen wir es innerhalb von 24 Stunden.“

Notfallpläne in Schublade

Überhaupt sei das Uniklinikum – in engem Schulterschluss mit dem Gesundheitsamt des Rhein-Neckar-Kreises – bestens vorbereitet für den Fall einer Epidemie. Es gebe spezielle Notfall-Einsatzpläne. Die Infizierten würden isoliert und je nach Symptomen behandelt. „Ein spezifisches Medikament gegen die Coronaviren gibt es nicht.“ Außerdem würde parallel das Umfeld abgeklopft und notfalls ebenfalls getestet, beschreibt der Leitende Virologe das Vorgehen.

„Überall in Deutschland finden derzeit an den Krankenhäusern solche Tests statt“, warnt Kräusslich vor Panikmache. In Heidelberg sei der erste Test am vergangenen Donnerstag an die Charité geschickt worden. Bislang gebe es außerhalb Chinas ausschließlich „kurzkettige Ansteckungen“: „Jeder Infizierte, auch der Patient in München, waren in China oder hatten engen Kontakt zu einer Person, die dort war.“ Für „Hamsterkäufe“ in Apotheken gebe es ebenfalls keinen Anlass: Ein Mundschutz sei dafür gedacht, dass infizierte Personen nicht weitere infizieren. „Die Masken sind nicht virendicht“, räumt Kräusslich mit Unwissen über die gängigen Einmalmasken auf.

Kräusslich teilt im Übrigen die Einschätzung anderer Wissenschaftler, wonach der Coronavirus deutlich weniger aggressiv sei als es zum Beispiel die Erreger bei der Sars-Epidemie waren: „Die Letalität liegt derzeit bei zwei bis drei Prozent, bei Sars lag sie bei 30 Prozent.“

Die Coronaviren seien eher mit der normalen Virusgrippe vergleichbar, bei der sich die Gefahr, an der Infektion zu sterben, auf ein bis zwei Prozent einstufen lässt. Die Influenza befinde sich gerade jetzt und bis Mitte März auf ihrem Saisonhöhepunkt. „Wir können derzeit sicher sagen, dass wir keine intensive Verbreitung haben in den Ländern außerhalb Chinas“, fasst Kräusslich zusammen.

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