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Herausforderer Muharrem Ince

Den 54-jährigen Muharrem Ince (Bild) eint zumindest eine Eigenschaft mit Recep Tayyip Erdogan, und die ist für ihn als Herausforderer des türkischen Präsidenten enorm wichtig: Wenn Ince wild gestikulierend über die Bühne läuft und mit zunehmender Erregung redet, wenn er Ungerechtigkeiten anprangert und eine unabhängige Justiz verspricht, dann kann er die Massen begeistern. Zumindest gilt das für einen guten Teil jener Türken, die sich einen Politikwechsel wünschen.

Ince ist nicht der einzige Kandidat aus dem Feld der Gegner Erdogans, aber er tritt für die größte Oppositionspartei CHP an. Nach seinen Angaben schloss er sich vor 39 Jahren der Mitte-Links-Partei an, die sich als Bewahrer des Erbes des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk versteht, bis zur Kandidatur Inces aber kraftlos und verstaubt daherkam.

Seit 2002 – dem Jahr, als Erdogans AKP an die Macht kam – sitzt der frühere Physiklehrer und Schuldirektor für die CHP im Parlament in Ankara. Mit der Bewerbung um das höchste Amt geht der feurige Abgeordnete ein hohes persönliches Risiko ein.

Hohes Risiko

Als Präsidentschaftsbewerber kann Ince nicht bei der zeitgleichen Parlamentswahl kandidieren. Sollte er gegen Erdogan verlieren, würde ihm mit dem Verlust des Parlamentssitzes auch seine Immunität abhanden kommen. Ince scheut aber weder Angriffe auf Erdogan (die für dessen Gegner mit Klagen enden können), noch lässt er sich von politischen Rückschlägen entmutigen: 2014 und im Februar dieses Jahres versuchte er erfolglos, Parteichef Kemal Kilicdaroglu den Vorsitz zu nehmen. Nun ist Ince dennoch auf der großen Bühne.

Ince hatte im Mai 2016 im Parlament gegen das von Erdogan betriebene, auch von vielen seiner CHP-Kollegen unterstützte Vorhaben gestimmt, vor allem Abgeordneten der pro-kurdischen HDP die Immunität zu entziehen. Heute sitzen zahlreiche Parlamentarier der HDP in Haft. Ince stammt aus Yalova am Marmarameer. Er ist verheiratet und Vater eines Sohnes. dpa (Bild: dpa)