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Herero verlangen Bekenntnis

Archivartikel

Die namibische Volksgruppe der Herero verlangt vom Bundestag eine Entschuldigung für die von deutschen Kolonialtruppen begangenen Verbrechen an den Herero und Nama. Die Abgeordneten müssten die kolonialen Gräueltaten verurteilen und im Namen Deutschlands um Vergebung bitten, fordert die Herero-Vertreterin Esther Utjiua Muinjangue. Sollte es dazu nicht kommen, stelle sich die Frage, ob Deutschland „es wirklich ernst meint mit der Versöhnung“, sagt sie.

Während der deutschen Kolonialzeit zwischen 1884 und 1915 waren in Namibia, dem damaligen Deutsch-Südwestafrika, die Vorfahren der Herero zu Zehntausenden von deutschen Truppen getötet worden. „Wir brauchen ein eindeutiges Bekenntnis zur deutschen Verantwortung von höchster Stelle“, forderte Muinjangue bei einem Besuch von Gräbern der Herero-Häuptlinge in Okahandja. Sie warnte Deutschland vor „Heuchlerei“ und verwies darauf, dass der Bundestag auch keine Scheu gehabt habe, den Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich als solchen zu bezeichnen.

Die 57-Jährige ist Mitglied des Völkermord-Komitees der Herero und Vorsitzende der Herero-nahen Partei Nudo. Die Herero und Nama fordern auch eine finanzielle Wiedergutmachung von Deutschland, nennen allerdings keine Summen. Die Bundesregierung rang sich erst 2015 durch, angesichts der weitgehenden Vernichtung der Herero und Nama durch die kaiserlichen Truppen (etwa 1904-1908) von Völkermord zu sprechen. Seither laufen Verhandlungen zwischen Deutschland und Namibia, um eine gemeinsame Sprachregelung zu finden. Zudem bietet Berlin dem Vernehmen nach mehr Geld für Hilfsprojekte an. 

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