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Interview Der Mannheimer Feuerwehrmann Markus Trommer erklärt die Vorteile von Vollgesichtsmasken / Lob für Einsatz der Profis

„Ich ziehe meinen Hut vor den Tauchern“

Mannheim.Markus Trommer, Feuerwehrtaucher in Mannheim, beobachtet mit großem Interesse die Rettungsaktion in Thailand. Vor dem gefährlichen Einsatz der Helfer vor Ort hat er den größten Respekt.

Herr Trommer, hätten Sie es für möglich gehalten, dass man eine Gruppe von Nichtschwimmern tatsächlich auf dem Tauchweg aus der Höhle retten kann?

Markus Trommer: Ja. Denn das ist der einzige Weg. Das Bohren durch den Fels dauert einfach zu lange. Es war klar, dass die Retter zunächst abpumpen, um den Wasserstand zu senken, und dass die Jungen dann tauchen müssen.

Das Risiko galt als sehr hoch.

Trommer: Ja das stimmt. Aber da jedes Kind von zwei Tauchern begleitet wird, habe ich es durchaus für möglich gehalten, sie lebend herauszuholen. Dennoch: Ich ziehe meinen Hut vor den Tauchern, die das durchziehen. Das sind hervorragend ausgebildete Leute, sonst würde es nicht funktionieren.

Die Kinder tragen dabei Vollgesichtsmasken. Wie wichtig sind diese für den Einsatz?

Trommer: Normalerweise geht man davon aus, dass Taucher irgendwas im Mund haben und dann kräftig vor sich hinblubbern. Bei Berufstauchern, zu denen auch die Feuerwehrtaucher zählen, ist das aber anders. Sie tragen Vollgesichtsmasken, die mit Bändern über das Gesicht gespannt werden. Diese sind fest mit dem Lungenautomaten verbunden, der das Luftgemisch mit dem richtigen Druck aus den Flaschen herauslässt. Durch die Masken kann kein Mundstück herausfallen, wenn man müde wird oder, wie die Kinder, keine Taucherfahrung hat. Auch wenn eine Person Angst bekommt, kann man sie so sicherer nach draußen bringen.

Die Retter mussten anscheinend Durchgänge unter Wasser erweitern. Wie schwierig sind solche Arbeiten in einer unbekannten Höhle mit Strömung und ohne Sicht?

Trommer: Um das einzuschätzen, müssen Sie sich nur einmal die Augen verbinden, einen Nagel und einen Hammer nehmen und versuchen, den Nagel in ein Holzbrett zu hauen. So ergeht es einem Taucher unter Wasser, der nichts sieht.

Wie erklären Sie sich, dass ein erfahrener Taucher bei dem Einsatz verunglückt ist?

Trommer: Wenn man helfen will, geht man mitunter ein höheres Risiko ein, als man eigentlich sollte. Und dann kann so etwas passieren. Der Unfall zeigt: Ein Einsatz in einem geschlossenen System wie einer Höhle ist selbst für Profis sehr gefährlich.

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