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Region S-Bahn Rhein-Neckar und Verkehrsverbund VRN sehen Engpässe im Alltag als Einzelfälle / Baden-Württemberg plant neue Initiative ab 2020

Im Südwesten soll eine „Sitzbereitschaft“ helfen

Um Zugausfälle zu reduzieren, wird im Südwesten Deutschlands vom kommenden Jahr an erstmals ein Lokführer-Bereitschaftsdienst aufgebaut. Geplant seien zunächst Standorte in Stuttgart, Ulm, Offenburg und Tuttlingen/Singen, bestätigte eine Sprecherin des Verkehrsministeriums Baden-Württembergs.

Hier solle es jeweils eine „Sitzbereitschaft“ geben, die kurzfristig einspringen kann, und eine Langzeitreserve. Finanziert werden soll die bundesweit einmalige Lokführer-Reserve aus Landesmitteln. Erst wenn Eisenbahnunternehmen auf die Mitarbeiter zugreifen, müssen sie sich an den Kosten beteiligen. Die Einsatzbereitschaft soll nun europaweit ausgeschrieben werden.

Zuständig für Nordbaden wird vorerst die Reserve in Stuttgart sein, so die Sprecherin. Abnehmer könnte dann auch die S-Bahn Rhein-Neckar werden, die damit rechnet, im laufenden und im kommenden Jahr rund 70 Lokführerstellen (wieder-) besetzen zu müssen. Das ist fast ein Drittel der aktuellen Fahrer-Truppe. „Wir suchen eigentlich immer,“ sagt ein Bahnsprecher, auch fertig ausgebildete Lokführer oder Quereinsteiger, die schon in zehn bis zwölf Monaten geschult werden.

Chronische Engpässe im alltäglichen Betrieb drohten aber keine. „Wenn ein Lokführer kurzfristig am Wochenende oder nachts erkrankt, kann es natürlich auch einmal zu einem Ausfall kommen“, räumt der Sprecher zwar ein. „So schnell finden Sie keinen Ersatz.“ Aber das seien „Einzelfälle“.

Hohe Anforderungen

Von einem generellen Mangel an Bewerbern will der Sprecher mit Bezug auf die S-Bahn Rhein-Neckar ohnehin nicht reden. Die physischen und psychischen Anforderungen an die Kandidaten seien aber hoch, und nicht jeder sei für den Beruf des Lokführers auch geeignet. Mancher lasse sich im Verlauf des Bewerbungsverfahrens vielleicht auch durch die Feiertags- oder Schichtdienste abschrecken. Insgesamt sei die Mühe, geeignetes Fachpersonal zu finden, sicherlich größer geworden, so der Bahnsprecher.

Davon berichtete auch der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN), der rund 1200 Fahrer für seine Bahnen und Busse beschäftigt. „Der Aufwand, um die Stellen zu besetzen, ist deutlich gewachsen“, erklärt Personalchef Steffen Grimm. Immer wieder komme es beispielsweise vor, dass aufwendig ausgewählte Kandidaten die VRN-interne Fahrschule schon nach kurzer Zeit wieder abbrechen würden. „Die fangen an und hören nach einigen Tagen einfach wieder auf,“ so Grimm. Als Grund vermutet er vor allem die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt. „Die Menschen haben Alternativen und können es sich derzeit aussuchen.“ Um gegenzusteuern, biete man beispielsweise Kollegen über 55 Jahren deutlich mehr freie Tage an. „Momentan schaffen wir es aber noch, Ausfälle weitgehend zu vermeiden, “ so Grimm weiter.

Hat der Beruf denn Zukunft oder fahren uns demnächst ohnehin nur noch Maschinen? „So etwas mag es in zehn bis 15 Jahren geben“, sagt er. „Aber danach können wir die Mitarbeiter weiterhin gut gebrauchen, zum Beispiel im Service.“

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