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Luftverkehr Irische Fluggesellschaft bietet wegen des Streiks morgen kostenlose Umbuchungen oder auch Rückerstattungen an / Piloten des Flughafens Karlsruhe/Baden-Baden arbeiten

Jeder sechste Ryanair-Flug fällt aus

Erstmals verweigern in Deutschland die Piloten der Fluglinie die Arbeit. Der Billigflieger streicht morgen 250 Flüge. Und das Ferienende in Sachsen und Thüringen verursacht noch mehr Durcheinander.

In jedem Fall für zahlreiche Urlauber aus Sachsen und Thüringen wird die Rückkehr aus den Schulferien nicht ohne Komplikationen klappen – denn morgen sollen die in Deutschland stationierten Piloten der irischen Billigfluglinie Ryanair streiken – zum ersten Mal. Dazu hat sie die Vereinigung Cockpit gestern aufgerufen.

Der Streik wird 24 Stunden dauern, er beginnt heute Nacht um 3.01 Uhr. Wie viele Piloten mitmachen, weiß man nicht. Die Unterstützung der bundesdeutschen Flugkapitäne bei der Urabstimmung von Cockpit war aber wohl groß. Nach Angaben der Gewerkschaft sprachen sich 96 Prozent der rund 400 Piloten für den Streik aus. 250 Flüge von und nach Deutschland hat Ryanair für morgen bereits abgesagt. Nur am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden sollen die Maschinen morgen starten. Dort wollten die Piloten unbedingt arbeiten.

Die in Irland beheimatete Firma hat Maschinen auf zehn bundesdeutschen Flughäfen stationiert, darunter Frankfurt/Hahn, Berlin und Hahn. Insgesamt werden hierzulande 13 Flughäfen angeflogen.

Nicht nur in der Bundesrepublik Deutschland bleiben am 10. August Ryanair-Maschinen am Boden. Gestreikt wird auch in Belgien, Schweden, Irland, eventuell den Niederlanden. Deshalb wurden weitere 146 von rund 2400 geplanten Flügen innerhalb Europas abgesagt.

Ryanair erklärte gestern: Die betroffenen „Kunden werden heute Nachmittag per E-Mail oder SMS kontaktiert und über ihre Optionen aufgeklärt: eine Rückerstattung, eine kostenlose Umbuchung auf den nächsten verfügbaren Flug oder einen vergleichbaren Ersatzflug“. Betroffen von dem Streik sind, wie Ryanair-Manager Kenny Jacobs gestern sagte, 55 000 Passagiere. Ab Samstagmorgen, 2:59 Uhr, werde wieder normal geflogen. Entschädigungen, die den Flugpreis übersteigen, zahlt das Unternehmen nicht.

Die Vertretungen der Beschäftigten und die Firma verhandeln seit Monaten. Während die Gewerkschaften in mehreren Staaten europaweite Tarifvereinbarungen für Bezahlung, Urlaub und Arbeitsbedingungen der Piloten und Flugbegleiter durchsetzen wollen, versucht Ryanair, solche Verträge möglichst lange hinauszuzögern. Ohne festgelegte Rahmenbedingungen kann die Fluglinie ihre Beschäftigten so einstufen, wie es ihr passt. Das ist ein Mittel, um Gehälter und Kosten niedrig zu halten und die Flugtickets billiger anzubieten als die Konkurrenz. Erst 2017 erklärte sich die Airline grundsätzlich bereit, Gewerkschaften überhaupt anzuerkennen.

Gemäß Cockpit liegt das durchschnittliche Grundgehalt von Ryanair-Piloten bei rund 77 000 Euro brutto jährlich, etwa 6400 monatlich. Vergleichbare Fluggesellschaften wie Eurowings und Tuifly zahlten dagegen mindestens 100 000 Euro pro Jahr, etwa 8300 Euro pro Monat. Kopiloten erhielten demnach bei Ryanair beispielsweise 40 000 Euro jährlich, bei Eurowings dagegen 57 000 Euro Grundgehalt.

Die Gewerkschaft legt Wert auf die Feststellung, dass sie nicht in einem Schritt eine derartige Gehaltserhöhung verlange. Man wolle sich aber „in die Richtung“ einer Bezahlung bewegen, die auch bei anderen Unternehmen üblich sei. Ryanair müsse sich vom bisherigen Umgang mit dem Personal verabschieden, sagte Cockpit-Vizechef Markus Wahl gestern in Frankfurt: „Sie machen jedes Jahr Milliardengewinne, und das Durchschnittsticket kostet um die 40 Euro. Irgendwer muss dafür bezahlen. Das Personal wird es nicht mehr tun.“

Ryanair veröffentlicht andere Zahlen als Cockpit. Demnach verdient ein Flugkapitän in Deutschland beispielsweise 16 600 Euro monatlich, etwa 190 000 Euro pro Jahr. Die Gewerkschaft bezweifelt das. Er kenne keinen Ryanair-Piloten mit einem so hohen Gehalt, so Cockpit-Sprecher Janis Schmitt.

Die Fluglinie hält den Streik für unnötig, weil man Cockpit vor wenigen Tagen ein verbessertes Angebot gemacht habe. Um wirksamer verhandeln zu können, haben die Piloten eine internationale Koordinationsstelle gegründet, die Ryanair Transnational Pilot Group (RTPG). Diese will eine Rahmenvereinbarung durchsetzen. Eine wichtige Forderung ist beispielsweise, dass die Flugzeugführer direkt bei Ryanair angestellt werden sollen. Heute haben viele von ihnen Arbeitsverträge mit Drittfirmen, werden also quasi an die Fluglinie ausgeliehen. Auch das ist ein Mittel, um die Bezahlung niedrig zu halten.

Wie es jetzt weitergeht, ist unklar. Cockpit droht, man könne durchaus abermals streiken, wenn Ryanair nicht kompromissbereit sei. In Irland hat das Unternehmen der dortigen Gewerkschaft angekündigt, 20 Prozent der Flotte samt 300 Arbeitsplätzen nach Polen zu verlegen. Für Deutschland schließt die Linie einen solchen Schritt bisher aus.

Unterdessen hat Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer die Spitze des Unternehmens wegen der bevorstehenden Streiks attackiert. Krischer sagte gestern in Berlin: „Das Billigflug-Geschäftsmodell beruht auch auf Dumping bei Löhnen und Arbeitsbedingungen. Dass jetzt auch die Piloten sich mit Streiks dagegen wehren, ist verständlich.“

Wenn eine Airline Milliardengewinne mache, aber Mitarbeiter unter Dumping-Bedingungen arbeiten müssten, sei das „sozialer Sprengstoff. Es wird Zeit, dass endlich allgemeine Mindeststandards bei Arbeitsbedingungen durchgesetzt werden. Es kann nicht sein, dass in den Flugzeugen Menschen arbeiten, die nicht krankenversichert sind, und Überstunden bei Verspätungen nicht vergütet bekommen.“ Krischer forderte, den gesetzlichen Anspruch auf Entschädigung für Fluggäste bei Ausfällen zu erhöhen: „Dann behandeln insbesondere die Billigflieger ihr Personal besser, damit es nicht zu Streiks kommt.“ (mit dpa)

Info: Video unter morgenweb.de/wuw

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