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Übergangsregierung Die nächsten drei Jahre und drei Monate entscheidet in Khartum ein Rat aus Militärangehörigen und Zivilisten

Jubelfeiern nach dem Ende der Unterdrückung

Archivartikel

Vier Monate nach dem Sturz des sudanesischen Machthabers Omar al-Baschir haben sich die Putschisten aus Militär und oppositioneller Demokratiebewegung auf einen Weg hin zu einer Übergangsregierung in dem afrikanischen Krisenstaat geeinigt. Sie unterzeichneten in Gegenwart zahlreicher ranghoher Delegationen aus den Nachbarländern ein abschließendes Abkommen zur Aufteilung der Macht. Unmittelbar danach gab es in der Hauptstadt Khartum und anderen großen Städten des Landes Jubelfeiern.

„Der heutige Tag kann ein Wendepunkt in der Geschichte Sudans und Startpunkt auf dem Weg zu einer stabilen und friedlichen Demokratie sein, die den Bürgerinnen und Bürgern des Landes eine gute Zukunft ermöglicht“, erklärte dazu Bundesaußenminister Heiko Maas. Nun gelte es, das Abkommen mit Leben zu erfüllen.

„Dies ist der Anfang eines weiten Weges – ich bin zuversichtlich, dass der demokratische Wandel in Sudan gelingen kann“, betonte der SPD-Politiker. Gemeinsam mit seinen Partnern werde Deutschland das Land nach Kräften unterstützen. Die USA begrüßten das Abkommen als eine wichtige erste Etappe, am Ende müssten freie und faire Wahlen stehen.

Die Studentin Alas Salah, eine Ikone der Protestbewegung, erklärte: „Ich denke, das ist der erste Schritt in Richtung einer echten, zivilen Regierung. Dies ist der Augenblick, in dem das sudanesische Volk die Früchte seiner Revolution ernten kann, von der es träumte und für die viele starben.“ Bekannt ist Salah, seitdem sie im weißen traditionellen Gewand von einem Autodach eine flammende Rede hielt.

Äthiopien als Vermittler

Gemäß dem Abkommen soll im Sudan nun ein Rat aus Militärangehörigen und Zivilisten gebildet werden. Dieser soll drei Jahre und drei Monate an der Macht bleiben. Maßgeblichen Anteil an den Verhandlungen hatten auch das Nachbarland Äthiopien und die Afrikanische Union (AU). Dem Abkommen vorausgegangen waren wochenlange Verhandlungen zwischen der Armee und den Demokratiebefürwortern Sudans.

Das Militär hatte im April unter dem Druck monatelanger Massenproteste und einer Sitzblockade den Langzeitpräsidenten al-Baschir abgesetzt – dieser hatte das Land im Nordosten Afrikas 30 Jahre lang mit harter Hand regiert. Ihm werden verschiedene Verbrechen zur Last gelegt. Im Mai hatten sich das regierende Militär und die Opposition bereits grundsätzlich auf eine Übergangsphase geeinigt – das Abkommen kam aber wegen Streitereien über Details nicht zum Tragen.

Migration Richtung Mittelmeer

Der Sudan ist ein konservatives islamisches Land sunnitischer Prägung. Al-Baschir hatte nach seiner Machtübernahme 1989 stark auf die Unterstützung islamistischer Kräfte gesetzt, sich aber im Lauf der Zeit wieder von ihnen entfernt.

Für die Europäische Union ist das Transitland Sudan ein Partner bei der Migrationsbegrenzung Richtung Mittelmeer. dpa