Welt und Wissen

Karlspreis für „mutigen Vordenker“

Archivartikel

Aachen.Die Begründung der Auszeichnung könnte kaum euphorischer ausfallen – und die Erwartungen der Gastgeber in Aachen kaum größer. Nur ein Jahr nach seiner Wahl erhält der französische Präsident Emmanuel Macron an diesem Donnerstag den Karlspreis für Verdienste um die Einheit Europas, als „mutiger Vordenker für die Erneuerung des europäischen Traums“. „Wir gehen davon aus, dass diese Karlspreisverleihung große Wellen in ganz Europa schlagen wird“, sagt der Sprecher des Karlspreisdirektoriums, Jürgen Linden.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht bei der Zeremonie im Krönungssaal des Aachener Rathauses, zehn Jahre, nachdem sie selbst mit dem prestigeträchtigen Preis ausgezeichnet wurde. Damit ist der Termin automatisch mehr als eine Selbstversicherung der Pro-Europäer, dass man à la Macron mit Europa Wahlen gewinnen und Rechtspopulisten standhalten kann. Denn er fällt in eine entscheidende Phase der großen politischen Debatte zur Zukunft der Europäischen Union, mit Dissonanzen zwischen Berlin und Paris über Macrons Reformvorschläge.

Bis Juni wollen die beiden Länder gemeinsame Vorschläge präsentieren, so haben sie es immer wieder bekräftigt. Gerade in CDU und CSU gibt es aber erheblichen Widerstand gegen die finanzpolitischen Teile der französischen Initiative, wie einen eigenen Haushalt der Eurozone. Karlspreis-Sprecher Linden meint: „Der Karlspreis ist die Möglichkeit für die deutsche Bundesregierung, eine konkretisiertere Antwort auf die Macron-Rede zur Erneuerung des europäischen Projektes zu geben.“

Berlin dämpfte solche Wünsche schon im Vorfeld. „Es wird keinen Redewettstreit über die Zukunft Europas geben“, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Martina Fietz. In Paris setzt man zumindest darauf, dass die Veranstaltung in Aachen einen Widerhall in der deutschen EU-Debatte findet. 

Zum Thema