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Kaum Profit von den Privilegien

Sachalin ist mit seiner Länge von etwa 950 Kilometern und einer Breite von 160 Kilometern die größte Insel Russlands. Sie liegt im Pazifik, bis zur japanischen Insel Hokkaido sind es knapp 40 Kilometer, bis zum russischen Festland etwa zehn. Schon seit Stalin-Zeiten ist eine Brücke vom Festland auf die Insel geplant, das umstrittene Megaprojekt ist vor einiger Zeit in den Modernisierungsplan Russlands aufgenommen worden.

Seitdem große Erdöl- und Erdgasvorkommen vor der Küste entdeckt wurden, gehört die Insel zu einer der wohlhabendsten Regionen Russlands. Knapp fünf Prozent des weltweit produzierten verflüssigten Erdgases (LNG) werden dort produziert. Die Einnahmen aus dem Bodenschätze-Geschäft verbleiben allerdings lediglich zu etwa zwei Prozent auf der Insel.

Koreaner als größte Minderheit

Der russische Schriftsteller Anton Tschechow beschrieb in seinem Reisebericht „Die Insel Sachalin“ 1890 mit drastischen Worten das Leben und Leiden der hierher Verbannten in der Zarenzeit. 1905 wurde der Süden der Insel japanisch, der Norden russisch. Das Gebäude des Heimatmuseums von Juschno-Sachalinsk, dem Hauptort der Insel mit seinen etwa 200 000 Einwohnern, erinnert noch heute an die japanische Vergangenheit. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die gesamte Insel sowjetisch.

Nach Angaben der russischen Statistikbehörde leben auf Sachalin knapp 490 000 Menschen. Die größte Minderheit sind die Koreaner, deren Wurzeln auf die von Japan auf Sachalin sich selbst überlassenen Zwangsarbeiter aus Korea zurückgehen. Etwa ein Prozent der Bevölkerung sind sogenannte kleine indigene Völker: Niwchen, Uilta, Ewenken, Nanaier, Ainu.

Neid und Missgunst

„KMNS“ lautet die russische Abkürzung für „Kleine indigene Völker des Nordens“, die auch die Niwchen oft gebrauchen, wenn sie von sich selbst reden. Als solche sind sie von der Grundsteuer befreit, auch vom Militärdienst, haben einen bevorzugten Zugang zu natürlichen Ressourcen, können für die Förderung von Bodenschätzen in ihren Gebieten entschädigt werden und dürfen früher in Rente. Privilegien, die Neid und Missgunst der Mehrheitsbevölkerung nach sich ziehen.

50 Kilogramm Dorsch im Jahr erlaubt die Regierung den Niwchen pro Person. Dazu 90 Kilogramm Buckellachs – das sind etwa 45 Fische – und 210 Kilogramm Ketalachs – etwa 70 Fische. So sind die festgelegten Quoten. Sie sind höher als die Quoten für die Mehrheitsbevölkerung. Dennoch: Sie seien zu niedrig, davon sind nicht nur die Niwchen überzeugt. inn