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Nordkorea US-Experten gehen von einem weit verzweigten Netz an Geheimtunneln im Norden des Landes aus und vermuten dort 20 bis 60 Atombomben

Kim hat schon mehr erreicht als seine Vorgänger

US-amerikanische Experten halten die Erwartungen an das Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Pjöngjangs Machthaber Kim Jong Un für unrealistisch – ein weit verzweigtes Netz an Nuklear-Standorten macht ihres Erachtens die nukleare Abrüstung Nordkoreas zu einer großen Herausforderung, und selbst bei einer Mitarbeit des nordkoreanischen Regimes rechnen die Experten mit einer Dauer der Abrüstung von bis zu 15 Jahren.

Bei ihrer letzten Auswertung kam die Denkfabrik RAND Corporation in Santa Monica, Kalifornien, auf 141 Standorte in Nordkorea, die mit dem Atomprogramm des Regimes in Verbindung gebracht werden. Die Zählung des Forschungsinstituts, das nach Ende des Zweiten Weltkriegs gegründet worden war, um die Streitkräfte der USA zu beraten. basiert auf Erkenntnissen aus dem Jahr 2014. Vier Jahre später dürfte das über das Land verbreitete Netzwerk an Produktionsstätten für Nuklearbomben gewachsen sein.

Versteckte Standorte

Denn im gebirgigen Norden des Landes werden in dem verzweigten Netz an Geheimtunneln versteckte Standorte vermutet. Dort dürften auch die schätzungsweise 20 bis 60 Atombomben lagern, die Pjöngjang bereits produziert und erfolgreich getestet hat.

Nordkorea- und Nuklearexperten weisen darauf hin, um zu erklären, warum sie die Erwartung für falsch halten, dass bei dem Gipfel zwischen Trump und Kim ein schneller Durchbruch erreicht werden könnte. Das von US-Außenminister Mike Pompeo wiederholt bekräftigte „allein akzeptable Ziel“ der Verhandlungen – die komplette, überprüfbare, nicht umkehrbare nukleare Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel – sei in Singapur nicht erreichbar. Dies setzte die volle Kooperationsbereitschaft Kims voraus, dessen Vater in der Atombombe die Garantie für das Überleben des Regimes gesehen hatte.

Kims Vater und Großvater machten Abrüstungsversprechen, die sie nicht einhielten. Kurzfristig sicherten diese Versprechen aber wirtschaftliche Zugeständnisse, die dem Regime halfen, zu überleben.

Scheitern berücksichtigt

Der Atomexperte David Kay geht gemäß der „New York Times“ davon aus, dass eine nukleare Abrüstung Nordkoreas „mehrere Jahre bis eineinhalb Jahrzehnte“ in Anspruch nehmen wird. Der von Pompeo aufgestellte Erfolgsmaßstab habe das Risiko des Scheiterns und der nachfolgenden Eskalation berücksichtigt.

Der dritte Kim, Kim Jong Un, erreichte dank Trumps spontaner Gipfelzusage bereits mehr als seine Vorgänger, denen das lange verfolgte Ziel der internationalen Anerkennung verwehrt blieb. Die zwei Treffen mit dem chinesischen Präsidenten, die innenkoreanischen Gespräche mit Moon Jae In und nun der Gipfel mit US-Präsident Donald Trump in Singapur haben Kims Status als internationaler Staatsmann etabliert.

Die Frage bleibt, was Trump, der ohne einen einzigen Nuklearexperten nach Singapur reiste, jenseits der Erinnerungsfotos des Handschlags mit dem Diktator substanziell nach Hause bringt.