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Weißes Haus US-Präsident Donald Trump kündigt militärisches Vorgehen an und lässt die genaue Strategie offen / Senator verlangt Zustimmung des Kongresses

Konflikt steuert auf gefährliche Eskalation zu

US-Präsident Donald Trump weitet seine Aktivitäten in den sozialen Medien auf den Bereich internationaler Krisen aus. Gestern Morgen warnte er vor einem Vergeltungsschlag für den mutmaßlich syrischen Chemiewaffen-Einsatz von Duma. Bei diesem waren am Wochenende mindestens 42 Menschen getötet und mehr als 500 verletzt worden.

„Russland hat versprochen, alle auf Syrien abgefeuerte Raketen abzuschießen“, reagierte Trump auf den Appell Moskaus, einem Angriff auf den Verbündeten in Damaskus nicht tatenlos zuzusehen. Ungeachtet des martialischen Tons der Kurznachricht bleibt bisher unklar, welche Strategie Trump in Syrien verfolgt und welche Dimension der Militärschlag haben wird. „Alle Optionen stehen bereit“, erklärte die Sprecherin des Weißen Hauses zu der Dimension des angekündigten Militärschlags.

Schiffe im Mittelmeer

„Es gibt Spannungen zwischen dem Wunsch, mehr zu tun als beim letzten Mal, und dem klaren Wunsch des Präsidenten, nicht in nachhaltige Operationen hineingezogen zu werden“, analysiert die ehemalige Staatssekretärin im Pentagon, Michèle A. Flournoy, das Dilemma des Präsidenten. „Es ist vorstellbar, dass er deshalb einen größeren Schlag oder eine Serie kleinerer Angriffe vorbereitet.“

Nach dem Chemiewaffen-Angriff von April vergangenen Jahres hatte Trump den Befehl für Luftschläge mit Raketen und Marschflugkörpern auf den „Al Shayrat“-Luftwaffenstützpunkt gegeben. Wegen des begrenzten Schadens und der Warnung an die Russen erhielt der Militärschlag von Kritikern den Titel „Operation Schlagloch“. Bereits wenige Stunden nach dem US-Angriff hoben wieder syrische Kampfflugzeuge von dem Stützpunkt „Al Shayrat“ ab.

Das Pentagon hat diesmal keinen Flugzeugträger in der Region, sondern muss sich für einen Militärschlag auf die beiden Zerstörer U.S.S. Donald Cook und U.S.S. Porter stützen. Beide verfügen über vergleichbare Kapazitäten, wie sie vor einem Jahr zum Einsatz kamen. Allerdings könnten die Militärs andere Ziele wählen. Darunter Kommandozentralen der syrischen Streitkräfte, Munitionslager und Infrastruktur der Luftwaffe. Sicher scheint nur, dass ein US-Militärschlag in enger Abstimmung mit Frankreich und Großbritannien erfolgt. US-Präsident Trump sagte mit Blick auf die Krise in Syrien eine für morgen geplante Reise nach Südamerika ab.

Emile Hokayem vom „International Institute for Strategic Studies“ äußerte gegenüber der Tageszeitung „Washington Post“ die Befürchtung, angesichts der militärischen Realitäten vor Ort sei der Zeitpunkt für eine militärische Intervention der Vereinigten Staaten verstrichen. Ein „selbstbefriedigender Militärschlag“ ohne weitere Strategie für den Konflikt „kann zu einer Eskalation führen, ohne dabei irgendein Ziel zu erreichen“.

Der demokratische Senator Tim Kaine forderte Trump auf, sich für eine Militäraktion die Erlaubnis des US-Kongresses zu holen. „Er ist Präsident und nicht König“, erklärte Kaine. „Wenn er Syrien ohne Genehmigung angreift, wer wird ihn davor zurückhalten, Nordkorea oder Iran zu bombardieren?“

Info: Video unter: morgenweb.de/politik

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