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Konflikte an der Seegrenze

Bei der Rettung von Migranten aus dem Mittelmeer ist die Besatzung des deutschen Rettungsschiffs „Alan Kurdi“ nach eigenen Angaben von libyschen Streitkräften mit Schusswaffen bedroht worden. Drei libysche Schiffe hätten die „Alan Kurdi“ bedrängt, Maskierte hätten Warnschüsse in die Luft und ins Wasser abgegeben, sagte der Sprecher der Hilfsorganisation Sea-Eye, Gorden Isler. Die „Alan Kurdi“ sei in der libyschen Such- und Rettungszone nicht in libyschen Territorialgewässern unterwegs gewesen, betonte Isler.

Die „akute Bedrohungssituation“ sei später vorbei gewesen, die Libyer hätten abgedreht, sagte Isler. An Bord der „Alan Kurdi“ seien nun 91 Migranten; ein Mann gelte als vermisst. „Für die Crew war das ein völliger Schock, so etwas haben wir noch nie erlebt.“

Die libysche Marine wies die Darstellung zurück. „Als libysche Küstenwache weisen wir eine Beteiligung an dem Zwischenfall kategorisch zurück“, hieß es in einer Mitteilung. „Unsere Patrouillen haben ein Boot einer Nichtregierungsorganisation weder abgefangen, noch bedroht, noch beschossen.“

Einfahrt noch ungeklärt

Die „Alan Kurdi“ war unterwegs zur italienischen Insel Lampedusa – aus Italien und Malta habe es aber bisher keine Einfahrterlaubnis für das Rettungsschiff gegeben. Eine Schwangere mit Blutungen brauche dringend ärztliche Hilfe, sagte Isler.

Die EU unterstützt die libysche Küstenwache darin, Migranten, die über das Mittelmeer nach Europa wollen, zurück in das Bürgerkriegsland zu bringen. Italien liefert zum Beispiel Boote an die Libyer. Die Vereinbarung ist hoch umstritten, weil den Menschen in Libyen schwerste Misshandlungen und Folter drohen. Derzeit sind zwei zivile Rettungsschiffe mit Migranten auf dem Mittelmeer unterwegs. Sie haben keine Erlaubnis, in einen Hafen in Malta oder Italien zu fahren. dpa