Welt und Wissen

Korruption und Handelskrieg

Brasilien steht an einem Scheideweg, einer der größten Korruptionsskandale der Welt hat das Land in eine tiefe politische Krise gestürzt. Der aussichtsreichste Kandidat für die Wahl eines neuen Präsidenten, Luiz Inácio Lula da Silva, sitzt im Gefängnis. Das Land hat enormes Potenzial, doch die Lage sieht schlecht aus – ein Überblick, was im fünftgrößten Land der Welt auf dem Spiel steht.

Europa gegen China

China kopiert in Lateinamerika das Afrika-Modell, baut überall die Infrastruktur aus und bekommt Zugriff auf Rohstoffreserven. Auch weil Europa Südamerika lange vernachlässigt hat. Kommt es wegen der Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump zur stärkeren Kooperation zwischen EU und Südamerika? Brasilien ist im Wirtschaftsbündnis Mercosur der Schlüsselstaat, um eines der größten Freihandelsabkommen der Welt mit der EU zu schaffen. Rund 1600 deutsche Unternehmen sind in Brasilien aktiv.

Schlüsselstaat

Sei es bei Klimaverhandlungen, Vermittlungen im Iran-Atomkonflikt oder die Leitung der UN-Mission in Haiti - Brasilien war lange Zeit ein Schlüsselakteur auf der internationalen Ebene. In den vergangenen Jahren isolierte sich das Land zunehmend, die meisten europäischen Staats- und Regierungschefs machten wegen der Korruptionsaffären und der umstrittenen Absetzung von Dilma Rousseff einen Bogen um den Palast von Präsident Michel Temer. Dabei wird das Land international gebraucht – auch als Krisenvermittler in Südamerika.

Lava Jato

Der Korruptionsskandal Lava Jato (Autowäsche) hatte seinen Ausgangspunkt in der Regierungszeit von Präsident Lula da Silva. Es wurde Usus, dass bei Auftragsvergaben ein paar Prozent der Vertragssumme an Politiker und Parteien flossen, zunächst ging es um den Ölkonzern Petrobras. Das Ganze weitete sich um den Baukonzern Odebrecht aus zu einem lateinamerikaweiten Skandal, der Präsidenten und Ex-Präsidenten unter Druck brachte. Der Name Lava Jato bezieht sich darauf, dass die Ermittlungen 2014 ihren Ausgangspunkt an einer Tankstelle in Brasilia nahmen, wo Geldübergaben stattfanden. Wird der neue Präsident die Ermittlungen unterstützen? Harte Strafen könnten mehr ausländische Konzerne anlocken, wenn sie nicht zum Bestechen gezwungen sind. dpa