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Fotografien Herlinde Koelbl hat die Ausgrabungen begleitet / Bilder dokumentieren aber auch den Alltag der Menschen und eine unberührte Natur

Landschaften, Denkmäler, Architektur

Archivartikel

Das Projekt „Spuren der Macht“ hat Herlinde Koelbl bekannt gemacht. Mit der fotografischen Langzeitstudie dokumentierte sie die, so 1999 der Untertitel ihres Buches, „Verwandlung des Menschen durch das Amt“. Sie zeigte oftmals tiefe Furchen, die politische Verantwortung in Gesichtern von Politikern hinterlassen kann. Ihre Fotoinstallation „Wille und Macht“ ist als Dauerleihgabe im Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestages zu sehen.

„Sie ist die Grande Dame der deutschen Fotografie“, so Gabriele Pieke von den Reiss-Engelhorn-Museen. Fotos von ihr ergänzen nun in der neuen Ausstellung die archäologischen Schätze aus Turkmenistan. Damit sind jetzt erstmals Arbeiten der 1939 geborenen, in München lebenden Fotokünstlerin in Mannheim zu sehen. Mit ihren Ausstellungen im Berliner Martin-Gropius-Bau, der Bundeskunsthalle Bonn und von New York, Auckland und Sidney bis Seoul hat sie sich weltweit einen Ruf erworben.

Immer unter Aufsicht

Im Januar 2018 durfte sie, begleitet von Mitarbeitern des Berliner Museums für Vor- und Frühgeschichte, zwei Wochen lang Turkmenistan bereisen. Dass das sonst sehr verschlossene Land dies zuließ, war schon etwas Besonderes – und sie hatte auch immer eine Aufsicht dabei. Sie fertigte dabei nicht allein die Katalogaufnahmen aller ausgestellten Objekte. Sie nahm auch Fotos von Landschaften, der Ausgrabungsstätten von Gonur Depe, Nisa, Merw und Anau auf. Sie sind nun – teils in hinterleuchteten Kästen und riesig groß – in der Ausstellung zu sehen und vermitteln ein faszinierendes Bild von den Überresten der Gräber und Paläste, aber auch der eindrucksvollen Naturlandschaften.

Aber Koelbl beschränkte sich nicht auf den offiziellen Auftrag – auch wenn sie dafür einige Überredungskunst bei ihren „Betreuern“ oder „Bewachern“ aufwenden musste. Einerseits schuf sie einzigartige Porträts der Bevölkerung, die mit ihren überaus bunten, opulent mit Schmuck versehenen Trachten die Magie eines fernen Landes, einer weitgehend unbekannten, ja unbeeinflussten Kultur vermitteln.

Doch zu all den Bildern schier unendlicher Landschaften, karger Wüsten sowie unberührter Natur sowie archäologischer Denkmäler arbeitete sie auch die Kontraste in Turkmenistan heraus. Ebenso gibt es nämlich monumentale Architektur in stalinistischer Strenge, mit riesig-wuchtigen Wohnklötzen und breiten Straßen – auf denen aber kaum Autos fahren.

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