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Le Pen macht sich Debatte zunutze

Eine Reaktion in der Debatte um die 16-jährige Mila und die Todesdrohungen gegen sie nach ihrer Kritik am Islam ließ sich Marine Le Pen nicht nehmen. „Man kann das vulgär finden, aber man kann nicht akzeptieren, dass manche sie dafür zum Tod verurteilen“, schrieb die französische Rechtspopulistin auf Twitter. Der 51-Jährigen kommt die Debatte in der Kampagne zu den Kommunalwahlen am 15. und 22. März gelegen, denn eine harte Haltung gegenüber dem Islam und Einwanderern gehört zur DNA des ehemaligen Front National, den Le Pen in Rassemblement National (RN), also „nationaler Zusammenschluss“, umbenannt hat.

Ihre Bastionen befinden sich im strukturschwachen Norden, im Osten des Landes und an der Côte d’Azur, die stark von der Einwanderung aus maghrebinischen und afrikanischen Ländern geprägt ist. In diesen drei Gegenden befinden sich die bis zu 50 Städte und Gemeinden, die nach den Kommunalwahlen Mitte März von einem RN-Bürgermeister regiert werden könnten.

Rechte haben Chancen auf Sieg

Handelt es sich bei den meisten um kleinere Orte, hat Le Pens Ex-Lebensgefährte Louis Aliot in Perpignan gute Chancen auf einen Sieg. Das Wahlsystem mit zwei Durchgängen erschwert der Partei, die kaum Bündnispartner hat, allerdings den Sieg: Bei der Stichwahl gegen den RN taten sich die übrigen Parteien bislang oft zu einer „republikanischen Front“ zusammen. Doch gerade seitdem Emmanuel Macrons Bewegung La République en Marche (LREM) die politische Landschaft Frankreichs durchgewirbelt hat, gelten viele alte Gewissheiten nicht mehr. Allerdings fehlt LREM die lokale Verankerung, um Erfolge erwarten zu können.

Zu einem der Wahlkampfargumente der Rechtspopulisten gehört es, anhand der elf RN-Bürgermeister zu zeigen, dass sie regierungsfähig seien. „Unsere Gegnern prophezeiten, dass die Sieben Plagen von Ägypten die von uns regierten Städte heimsuchen würden. Aber es geht ihnen besser denn je“, sagte das Gemeindeoberhaupt des südfranzösischen Fréjus, David Rachline. olz

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