Welt und Wissen

Lernen und auch arbeiten

Archivartikel

Es ist ein außergewöhnlicher Lernort: Umgeben von Dolomi-tengipfeln liegt der Burger Hof auf 1500 Meter Höhe. Die ehemalige Besitzerin hat das 600 Jahre alte Anwesen in Welsberg einer Stiftung mit der Auflage geschenkt, hier ein Projekt für Kinder und Jugendliche zu realisieren. Der Schulverbund Pustertal, das sich von Brixen aus nach Osten zieht, hat den Hof sanieren lassen und betreibt hier ein Zwischending aus Schullandheim für die Stärkung des Klassenverbundes und Unterkunft für Jugendliche mit intensivem Betreuungsbedarf. „Praktikanten“ heißen die jungen Leute, die andernorts wahrscheinlich als schwer erziehbar eingestuft würden. Seit der Eröffnung vor einem Jahr waren bereits 2200 Schüler hier oben und haben sich den Wind um die Nase wehen lassen.

Handys werden einkassiert

Als „Realprojekt“ beschreibt der Leiter Alex Unteregger das Konzept, das den Kindern und Jugendlichen eine zentrale Verantwortung für den Betrieb des Hofes zuweist. Die ersten haben bei der Sanierung des historischen Wohnhauses geholfen und durften schon während der Bauzeit hier übernachten. Mit Schülern der Berufsfachschule hat er das Bienenhaus gebaut, mit Schülern und Profis aus der Umgebung bewirtschaftet er die 30 Hektar Wald und sieben Hektar Wiesen. Die Scheune harrt noch der Erneuerung. „Das Handwerk ist sehr wichtig für das Lernen“, betont Unteregger. Die Schüler können basteln, den Handwerkern helfen, mit der Axt im Wald arbeiten oder im Atelier sich künstlerisch betätigen.

Faszinierend ist Untereggers Umgang mit den jungen Leuten. Gleich bei der Begrüßung müssen sie ihr Handy abgeben, „freiwillig“, sagt er so freundlich wie bestimmt. Dann erklärt er die Regeln, die für den mehrtägigen Aufenthalt gelten. Achtsamkeit und Vertrauen sind seine Schlüsselwörter. Jungs und Mädchen schlafen unter dem Dach in einem Matratzenlager, getrennt sind die Geschlechter nur durch einen Vorhang.

Es braucht Mut

Alex Unteregger ist eine bunte Mischung aus Naturbursche, ausgebildetem Handwerker und studiertem Pädagoge. Gerade 30 ist der Leiter, und doch hat er drei Jahre Erfahrungen in Indien und Australien gesammelt. Mit leuchtenden Augen beschreibt Unteregger seine Vorstellungen einer Erziehung mit der Natur in der Natur. Zu seinem Team gehören vier Sozialpädagogen und eine Köchin. Dazu kommen Begleiter, wenn Schüler mit großem Förderbedarf als „Praktikanten“ für ein paar Wochen oder auch Monate auf dem Burger Hof leben. „Es ist sehr wichtig, dass wir mutig sind“, sagt Unteregger.