Welt und Wissen

Liberale inspiriert Macron

Bereits 1981 plädierte die damalige Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Hildegard Hamm-Brücher (bis 2002 FDP), „für eine ,großzügige’ Handhabung der Restitutionsfrage“. Das betonen die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy und der Wirtschaftswissenschaftler Felwine Sarr in ihrem Buch „Zurückgeben. Über die Restitution afrikanischer Kulturgüter“. Es ist eine gekürzte Fassung des Berichts, den sie im Auftrag des französischen Präsidenten Emmanuel Macron verfassten, nachdem dieser im März 2018 eine Rückgabe afrikanischer Kulturgüter angekündigt hatte.

Konzepte des Zeigens

Der Bericht von Savoy und Sarr ist in vier Teile gegliedert: die Geschichte der Rückgabedebatte; der von Rückgaben betroffene Bereich, der nicht nur Museen, sondern vielmehr auch Archive betrifft; die Erstellung von Inventarlisten, die bisweilen sehr willkürlich geführt wurden; und die Abwicklung einer Rückgabe in beiderseitigem Einvernehmen.

Savoy und Sarr beschreiben diese Punkte präzise und weisen Lösungen auf. Demnach sind Museen in afrikanischen Ländern durchaus in einem besseren Zustand, als dies derzeit angenommen wird. Savoy und Sarr sind aber auch versöhnlich dahingehend, dass nicht partout jedes fremdländische Objekt zurückzugeben ist. Was durch ihren Bericht offenkundig wird, ist, dass Museen generell ihre Konzepte des Aufbewahrens und Zeigens zu überprüfen haben. Denn es geht nicht nur um Bestände, sondern auch um Lücken.

Savoys und Sarrs Bericht „Zurückgeben“ verdeutlicht mithin, dass es um eine Auseinandersetzung mit Geschichte geht und auch damit, wie Geschichte gezeigt und vermittelt wird. Damit wächst das Thema über seinen zunächst eng gesetzten Rahmen hinaus und gibt eine Ahnung davon, wie präsent und zukunftsweisend die Auseinandersetzung mit Vergangenheit nicht nur sein kann, sondern sein sollte. malo

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