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FPÖ Dem Politologen Peter Filzmaier zufolge hat eine Koalition aus Konservativen und Freiheitlichen Aussicht auf Erfolg

Liberale möchten Ministerium für Leitkultur

Was kommt, wenn Schwarz-Blau kommt? Denn wahrscheinlicher als eine Koalition zwischen den Sozialdemokraten der SPÖ und der rechtspopulistischen FPÖ ist in Österreich eine Neuauflage von Schwarz-Blau. Bereits 2000 bis 2006 regierte die konservative ÖVP mit den Freiheitlichen. Inhaltlich stehen sie einander ohnehin viel näher, weil beide Parteien rechts der Mitte angesiedelt sind. Fragt man die Österreicher nach ihrer Lieblingskoalition, so schneidet ebenfalls Schwarz-Blau am besten ab.

Der Politologe Peter Filzmaier erklärt, dass es in Österreich seit 1979 immer eine Mehrheit rechts der Mitte gegeben habe. Die Tatsache, dass die Koalition zwischen Sozialdemokraten und Konservativen so lange gehalten hat, habe unter anderem daran gelegen, dass die ÖVP lange nicht mit der FPÖ koalieren wollte.

Teilnahme an Wehrsportübungen

Entscheidend dafür war viele Jahre, dass die ÖVP keine Koalition mit einer Partei machen konnte, die EU-feindlich war, denn schließlich wollte man der EU beitreten - was Österreich erst 1995 tat. Die FPÖ will heute nicht mehr aus der EU austreten, weil sie weiß, dass es dafür in Österreich keine Mehrheit gibt.

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache (48) hat also gute Chancen, Vizekanzler zu werden. HC, wie sich Strache nach den Kürzeln seines Vornamens gern nennt, galt am Anfang seiner Karriere, als er 2005 die Partei übernahm, noch als Kopie von Jörg Haider. Nun ist der Mann aus dem dritten Wiener Gemeindebezirk der dienstälteste von allen Parteiführern, die antreten.

Strache kommt aus den sogenannten kleinen Verhältnissen, seine Mutter war Drogistin, der Vater verließ die Familie, als Strache drei Jahre alt war. Der Sohn musste ins Internat. Er trieb sich mit Neonazis und bei Wehrsportübungen herum. 1989 nahm er an einem Treffen der neonazistischen Wiking-Jugend nahe Fulda teil, 1990 war er bei einer Veranstaltung der rechtsextremen DVU in Passau zugegen. Er wählte den Beruf des Zahntechnikers und dockte 1991 bei der FPÖ an.

Agitation gegen Türken

Bei Strache dreht sich alles um "die Ausländer", seine Agitation richtete sich gegen Muslime und insbesondere gegen Türken. Berühmt wurde ein Foto aus dem Jahr 1989, das Strache mit drei erhobenen Fingern zeigt - dem rechtsextremen Kühnen-Gruß. Strache meinte später dazu, er habe mit dem Handzeichen nur "drei Bier" bestellen wollen.

Während sich Strache im Lauf der Jahre nicht änderte, änderte sich Österreich durch ihn und rückte weiter nach rechts. Strache wurde diesen März mit 98,7 Prozent der Stimmen seiner Partei zum Bundesvorsitzenden wiedergewählt.

Strache fordert ein Ministerium für Leitkultur, aber weil er Vizekanzler werden möchte, distanziert er sich ein wenig von Brachial-Rhetorik und definiert sich neuerdings als Europäer - wohl auch als Zugeständnis an den möglichen Koalitionspartner ÖVP.

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