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Loslösung von der Partnerstadt

Archivartikel

Wie Venedig retten? Die jüngste Idee ist eine alte. Die Venezianer wollen das Schicksal ihrer sterbenden und von Touristen überlaufenen Stadt selbst in die Hand nehmen.

Am 1. Dezember soll dazu eine Volksabstimmung abgehalten werden, die die Abspaltung Venedigs von der Stadt Mestre vorsieht. Beide bilden zusammen eine Kommune, Mestre allerdings hat knapp 200 000 Einwohner, Venedig gerade noch um die 50 000. Viermal misslang der Plan bereits. Die Chancen für eine Trennung sind nach dem Hochwasser so gut wie nie zuvor. Viele Venezianer sind überzeugt, dass eigentlich die Festlandbewohner mit ihren wirtschaftlichen Interessen für Venedigs siechenden Untergang verantwortlich seien.

Geschäftsleute vom Festland

Das beste Beispiel aus ihrer Sicht ist Venedigs Bürgermeister Luigi Brugnaro, Unternehmer aus der Nähe von Mestre, der wie so viele seine Geschäftsinteressen in Venedig verwirkliche. „Die meisten Geschäftsleute in Venedig sind vom Festland, sie kommen aus Padua und Treviso“, sagt die venezianische Fremdenführerin Maria Grazia Gagliardi. Selbst die Gondolieri wohnten in Mestre. So sei es gekommen, dass Venedig immer mehr zur Bühne eines großen Geschäfts werde, daran aber langsam zugrunde gehe. Der Bürgermeister habe nichts gegen die Überflutung Venedigs mit Hotels und Privatzimmern unternommen. Auch Mestre sei inzwischen voller Hotels.

Zu viele Kreuzfahrtschiffe kommen in die Stadt, das war an den Unfällen im Sommer zu sehen, als die Riesenschiffe mit anderen Booten kollidierten. Jetzt kommt auch noch das Wasser im Übermaß. Gegen all das soll die Trennung von Mestre helfen. jmm

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